12
gestellt und bethätigt worden, als die wissenscbaftlichc Nationalökonomie
ihren Lebenslauf eben erst begonnen hatte. Der
Grund dieses Missgriffs liegt nahe genug. Man wusste noch
nicht, was wissenschaftliche Wirthschaftslohrc zu bedeuten habe,
und hielt daher in der verworrensten Weise alle Uebcrlieferungen
für zurechnungsfähig, die nur irgend wirthschaftliche
Angelegenheiten zum Gegenstände ihrer Vorstellungen gehabt
hatten.
Je dürftiger die Vorstellungen sind, die Jemand von den
wissenschaftlichen Elementen der Wirthschaftslehre hat, um
so mehr wird er geneigt sein, den Ursprung dieser Lehre in
die fernsten Zeiten zu verlegen. In den allergewöhnlichsten
Ideen, die sich den Menschen am ehesten und unmittelbarsten
aufdrängen, stimmen selbstverständlich die gedanklichen Regungen
aller Zeiten und Völker überein. Es ist aber nicht
diese oberflächliche Gemeinschaft, was den wesentlichen Inhalt
der Wissenschaft berührt, sondern cs muss im Gegcnthcil nach
solchen Ideen gesucht werden, welche bereits erhebliche und
sich von dem gemeinen Lauf der Vorstellungen unterscheidende
Sätze enthalten. Verfährt man nach diesem Grundsatz, so wird
man finden, dass die Wirthschaftslehre eine eminent moderne
Erscheinung ist und noch dazu eine solche, deren wissenschaftliche
Existenzweise kaum ein Jahrhundert hinter sich hat. Verflacht
man aber den Begriff der wirthschaftlichen Wissenschaft,
so kann man allerdings soweit zurückgreifen als man will,
und es wird an gelehrt aussehendem Stoff niemals fehlen. Man
wird alsdann zu dem wunderlichen Satze gelangen, dass Wirthschaftslehre
und Socialtheorio so alt seien, wie das gedankenbildende
Menschengeschlecht.
2. Schon Blanqui in seiner geschichtlichen Gesammtdarstellung,
die zum ersten Mal 1837 erschien, glaubte die
Entdeckung gemacht zu haben, dass die Wirthschafts-Ichre
älter sei, als man gewöhnlich an nehme. Auch beschäftigte
er sich in seinem Buch ganz unverhältnissmässig mit
älteren Erscheinungen, und dieses Missverhältniss würde noch
mehr hervorgetreten sein, wenn er überhaupt zwischen Wirthschaftstheorie
und Wirthschaft unterschieden hätte. Letzteres
ist aber so wenig geschehen, dass im Gegontheil die Theorien
selbst und deren Zusammenhang fast zur Nebensache
gemacht worden sind. Nun konnte ein solches Verfahren