Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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welclie zwisclicn den menschlichen Neigungen und den ^ er 
schieden en ökonomischen und gesellschaftlichen Beschäftigungs 
arten existiré, Hicnach gieht es z. B. eine besondere Leiden 
schaft oder, besser gesagt, eine eigenthümliche Passion für die 
Hervorhringung von Kohl und Rüben. In der socialökono 
mischen Organisation des neuen Reichs darf keine Arbeit eine 
Last sein, sondern muss jegliche Thätigkeit auf der ihr ent 
sprechenden Neigung beruhen. Für die angenehmen wie für 
die unangenehmen Beschäftigungen sollen in der menschlichen 
Natur die entsprechenden Triebe bestehen, und die Einführung 
der nach Passionen geordneten Arbeit soll nicht nur eine un 
getrübte Herrlichkeit des Vergnügens und Genusses ergeben, 
sondern auch die grösste Rentabilität aller wirthschaftlichen 
Thätigkeiten verbürgen. Für Alles giebt es Leidenschaften, 
und auch der Schmutz hat Verehrer, die ihm um seiner selbst 
willen huldigen. Letztere Einsicht will unser grosser Autor 
an kleineren Kindern beobachtet haben, und er weist dieser 
Spielart vielerlei Aufgaben zu. Die Majorität der kleinen 
Knaben soll im neuen Reiche eine Truppe bilden, welche als 
Corps der „Mistfinken” organisirt, die betreffende Passion zum 
höchsten socialen Enthusiasmus entwickelt und dafür, dass sie 
der neuen Gesellschaft die wichtigsten Dienste leistet, mit be- 
sondern Ehrenbezeigungen bedacht wird. 
Versucht man es, sich alle erdichteten Passionen in einer, 
wenn das Wort hier erlaubt ist, zweckmässigen Reihenfolge 
vortheilt vorzustellen, so dass hieraus ein Inbegriff von äti^ 
keiton wird, die ineinander greifen und sich gegenseitig be- 
glücken, so erzielt man dieselbe unbestimmte Idee, y'^on ei 
Fourier ausging, und die er natürlicherweise nur durch kizan’e 
Phantasien zu decoriren vermochte. Eine Klärung oder Schär 
fung jener wüsten Vorstellung würde die Vernichtung der 
letzteren selbst bedeutet haben. Dennoch darf nicht uner- 
wähnt gelassen werden, dass sich der Urheber schmeichMte, 
für diese seine passioneile Attraction eine mathematische Be 
währung zu besitzen. Diese Einbildung war ein Zubehör der 
wunderlichen Gravitationsmanie, und wir brauchen uns heute 
nur in gewissen Spielarten der Psychologistik, wie z, ' 
den Herbartschen Erzeugnissen umzusehen, um etwas ge e r 
tore Scitenstücke anzutreffen. Fourier selbst verstieg sich 
zwar niemals zu jener absonderlichen Scholastik, die in dem
	        
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