Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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philosopliisclio  Grundanschauungen  stets  herbeigozogen  bat,  die
Lebens-  und  Weltauifassiing  nicht  gleichgültig  ist,  so  haben
wir  ein  Recht  an  einen  zur  Charakteristik  nicht  unerheblichen
Zug  derselben  zu  erinnern.  Thünen  war,  wenn  auch  in  einer
sehr  abstracten  Weise,  ein  Anhänger  der  gewöhnlich  als  dcisüscli
  bezcichneten  Art  der  Gottesvorstellung  und  verband  hieinit
  einen,  wenn  auch  sonst  unbestimmt  gedachten,  doch  jedenfalls ­
  nicht  mit  irgend  einer  blossen  Einheitsvorstellung  zusamiiicnfallenden
  Unsterblichkeitsglauben.  In  keiner  seiner  Ideen
trennte  er  die  Geuiüthsgewohnheiten  von  denjenigen  Beimischungen, ­
  welche  nicht  dem  Gefühl,  sondern  dem  theoretischen
^  ^"'issen  angehörten  und  mithin  irrthümlich  sein  konnten.  Eine
'  Vorsehung,  die  er  sich  in  seinem  Sinne  mit  allzu  behaglichem
Optimismus  construirte,  hat  in  seinen  socialen  Speculationen
keine  Nebenrolle  gespielt.  Es  spiegelte  sich  in  derselben  das
gemüthlich  beengte  Stillleben  des  Tellowschcn  Eamiliendaseins
mit  allen  seinen  Vorzügen  und  Schwächen.  Die  socialen  Uebel
wurden  zwar  thatsächlich  anerkannt  und  keineswegs  in  der
gemeinen  Art  optimistisch  beschönigt.  Aber  wohl  wurden  sie
Hl  providcntieller  Weise  allzu  geneigt  im  Plane  der  Dinge  zugelassen. ­
  Er  konnte  sich  nicht  in  den  Sinn  derjenigen  versetzen
bei  denen  Leben  und  Nichtleben  die  harte  Losung  ist,  und  die
sich  daher  in  die  Thüncnsche  Anschauungsweise  niemals  schicken
dürften.  Wo  die  Philanthropie  der  älteren  Socialisten  ziemlich
überflüssig  war,  konnte  ein  Thünensches  Wohlwollen  im  Rahmen
einer  kleinstaatlich  und  häuslich  sentimental  gefärbten  Anschauungsweise ­
  ungeachtet  einzelner  richtiger  Apereüs  erst
recht  nichts  Entscheidendes  leisten.
3.  Glücklicherweise  liegt  jedoch  der  Schwerpunkt  des
Interesse,  welches  die  Geschichte  der  Nationalökonomie  an
rhünen  zu  nehmen  hat,  in  einer  andern  Richtung.  Wie  schon
oben  angedeutet,  ist  es  erstens  die  Ausprägung  einer  eigenthümlichen
  Gestalt  des  ökonomischen  Denkens  und  zweitens
eine  bestimmtere  Vorstellungsart  über  die  nationalökonomische
Uraache  der  geographischen  Gruppirung  der  ländlichen  Bewirthschaftungss}
  Sterne,  was  den  auszeichnenden  Werth  für  sich  hat.
Diese  zweiseitige,  zugleich  formale  und  materielle  Leistung
haftet  an  einer  und  derselben  Idee,  und  wir  müssen  daher  im
Anschluss  an  Thünens  eignen  Gedankengang  mit  der  Erklärung ­
  der  Bedeutung  seines  isolirten  Staats  beginnen.

SSV
            
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