324:
stelligt und auf diese Weise dem platten Lande ein wirth-
schaftlich schöpferischer Antrieb ertheilt wird.
Vor der weiteren Darlegung der Thüneuschen Hauptidee
sei noch bemerkt, dass seine Vorstellung von der Grundrente
nicht mit dem eigenthümlichen und unhaltbaren Ricardoschon
Gebilde zusammenfällt. Das letztere war der von uns früher
gekennzeichnete, auf Fruchtbarkeitsdifferonzen zurückgeführte
Rentenbcstandtheil. Obwohl nun Thünen selbst glaubte, sich
mit Ricardo in Uebereinstimmung zu beñnden, so hat er doch
einen völlig abweichenden Begriff im Auge gehabt. Er zer
legte nämlich die volle Rente im gewöhnlichen geschäftlichen
Sinne dieses Worts zwar auch in zwei Bcstandtheile, aber der
gestalt, dass seine Vorstellung, abgesehen von einigen gleich
gültigen Nebengedanken, noch ganz praktisch ausfiel. Er son
derte die Zinsen des in den Gebäuden und in andern vom
Boden selbst unterscheidbaren Anlagen steckenden Capitals
von dem ganzen Betrage des Reingewinns und sah nur den
Rest als eigentliche Bodenrente an. Eine derartige Trennung
kann nun unter Umständen ein ziemlich rationelles Ergebniss
liefern und ist z, B. auch bei der Gestaltung der allgemeinen
Preussischen Grundsteuer in der ersten Hälfte der sechziger
Jahre maassgebend gewesen. Ueberhaupt kann man Thünens
eigenste Gedanken nirgend als Bestätigungen der Ricardoschen
Ideen ausgeben, sobald man beide Schriftsteller genau auffasst
und zwischen ihren wahren Eigenthümlichkeiten unterscheidet.
Der Deutsche legt den Ton auf die Entfernungsunterschiede,
während der Englische Autor fast ausschliesslich die Erucht-
barkeitsdifferenzen im Auge hatte. Die letzteren sind im iso-
lirten Staat gar nicht vorhanden, und wer da glaubt, dass die
Vortheile der Lage bei Ricardo eine dessen Specialidee unter
stützende Rolle spielen, hat von der Theorie des Engländers
eine fehlgreifende Vorstellung. Das Eigenthümliche dieser
Theorie ist mit den Consequenzen der Lage der Grundstücke
zum Absatzort sowenig verträglich, dass es z. B. nach einer
der frühesten Ausführungen Careys grade durch diese Folge
rungen unhaltbar wird. Doch wir müssen aut die Verfolgung
dieser subtileren Züge verzichten, um uns von den rein kriti
schen und negativen Gesichtspunkten wiederum dem positiven
Ideengange unseres landwirthschaftlichen Nationalökonomen zu
zuwenden.