Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

Denkertlium kann der blossen Trockenheit wegen sicherlich 
nicht die Rede sein. Doch mag immerhin diejenige An 
sicht Einiges für sich haben, welche, im Hinblick auf spätere 
fast ganz zusammenhanglose, sich aber als historisch ausgehende 
Zlusammentragungen eines bunten Stoffs, die Hermannsche 
Art und Weise als eine contrast!rende Kundgebung von Be 
mühungen um ein rationelles erhalten auffasst. Im T^ergleich 
mit pseudohistorischen Compilations werken, wie sie z. B. später 
in dem Lehrbuch des Herrn W. Roscher zu Tage traten, 
ist allerdings die Hermannsche Schrift fast als die Bekundung 
eines gewissen Sinnes für verstandesmässigen Zusammenhang 
anzusehen. Allein ohne die Voraussetzung einer solchen Folie 
Würde die betreffende Physionomie mit ihren Zügen von einer 
Rationalität, die sich sehr trübe ausnimmt, kaum bemerklich 
sein. Das Hermannsche Buch ist in der 2. Auflage zum Laden 
hüter geworden, den man 1874 um kaum ein Drittel des Preises 
als „akademische Ausgabe” wieder in den Buchhandel gebracht 
und so den Studirenden preiswürdig zu machen unternommen 
hat. Dieser Zug ist charakteristisch; denn wäre der Staats 
rath und Professor Hermann noch am Leben, so würde er 
durch den künstlichen Einfluss seiner Aemter solche Manipula 
tionen ersetzen können, ganz wie dies bei dem jetzt in der 
Coucurrenz glücklicheren, aber nichts weniger als besseren 
professoralen Machwerken statthat, deren Urheber, wie Herr 
Roscher, durch Examinatur, durch Patronage der Streber nach 
Profossorsinecuren und überhaupt durch privilegirtes Scho- 
larchcnthum das mangelnde Verdienst ihrer an sich mehr als 
werthlosen, nämlich positiv verdummenden und schädlichen 
Bücher ersetzen. Diese Pfützen, an welche die unerfahrene 
studirondo Jugend ahnungslos gewiesen wird, gelten in der 
universitären Geographie eine Zeit lang für krystallklare 
Quollen, nämlich grade solange, als die fable convenue dem 
Geschäftsinteresse eines lebenden und Andere leben lassenden 
Inhabers des Pfützenthrones zu dienen hat. 
W^onn ein gewisses ehrsames und keineswegs hinteihaltiges, 
sondern simpel zuverlässiges Streben nach paragraphirten Ge- 
dankenexcerpten, die, wo sie überhaupt eine eigentlich national 
ökonomische und nicht blos cameralistische Grundlage haben, 
im Sinne Adam Smiths ausfallen sollten, — wenn eine derartige 
Bemühung um ein Fachwerk von Formulirungen und gewissen-
	        
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