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einige Neuere, welche die echte Philologie und wahre Alter
thumsforschung nur carikiren, aus jenen Vorstellungen sofort
die moderne Unterscheidung von Gebrauchswerth und Tausch
werth. Uebrigens besteht der Humor der Nachweisung dieses
Unterschieds als einer hesondern Erkenntniss der antiken Welt
noch obendrein darin, dass der moderne Sprachgebrauch und
die Gewohnheit, von Gebrauchswerth und Tauschwerth zu
reden, grade ein Ausdruck für die erheblichsten Irrthümer ge
wesen ist, in welche die Volkswirthschaftlehre in ihren ersten
modernen Formulirungen verfallen ist und von denen sie sich
erst in allerjüngster Zeit und auch dies nur im Rahmen der
am meisten fortgeschrittenen Systeme befreit hat. Man legt
also den antiken Schriftstellern auf diese Weise moderne Irr
thümer unter, von denen die volkswirthschaftliche Gleichgültig
keit und Unschuld ihrer Vorstellungen weder im Rechten noch
im Schlechten etwas wissen konnte. Wenn sich daher hei
ihnen einmal ein Satz findet, in den sich eine moderne Theorie
hineindichten lässt, so ist dies noch kein Zeichen einer wirk
lichen Kenntniss. Man muss vielmehr stets danach fragen,
was sie wirklich meinten, und ob sie, wenn sie zufällig eine
anscheinende Wahrheit aussprachen, sich auch des Gegensatzes
gegen den zugehörigen Irrthum bewusst waren. Ohne diese
Vorsicht wird man in ihre aus dem Zusammenhang gerissenen
Sätze allzu leicht Vorstellungen hineinlegen, die jene Schrift
steller selbst gar nicht hatten und auch nicht einmal suchten.
Die Moral, die Privatwirthschaft und die technischen Acker
baurathschläge, mit denen sie sich beschäftigten, gehören in
der Weise, in welcher sie diese Dinge zusammenmischten, gar
nicht in die Nationalökonomie.
Auch die moralische Empfehlung von Sparsamkeit ist kein
wissenschaftlicher Satz der Wirthschaftslehre oder Socialtheorie
und wird sicherlich nicht gefehlt haben, wo es überhaupt bei
den Völkern Moralisirer, Propheten oder sonst etwas Aehnliches
gegeben hat. Lassen wir uns also in das Reich solcher Ge*-
wöhnlichkeiten hinabziehen, so geben wir hiemit die Würde
der Wissenschaft und des verstandesmässigen Verhaltens Preis.
Bei solchen Abwegen ist es aber nicht einmal ausschliesslich
geblieben. Die Niaiserie ist so weit gegangen, in dem Eifern
der Propheten und Moralisten grade die Herrschaft der Grund
sätze zu erblicken, deren Mangel jene mahnenden Persönlich-
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