Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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keiten  beklagten.  Anstatt,  wie  es  sich  gehörte,  auf  den  entgegengesetzten ­
  Zustand  als  Gepräge  des  wirklichen  Lebens  zu
schlicssen,  hat  man  die  Meinungen  und  Satzungen  der  gegen  die
Thatsachen  reagirenden  Schriftsteller  als  Ansichten  genommen,
die  im  Verkehr  Geltung  gehabt  hätten.  Durch  solche  Wendungen
könnte  man  von  der  heutigen  Welt  Alles  beweisen,  was  mau  nur
irgend  wünschte,  und  die  früheren  Völkere-xistenzen  sollten  in  dieser ­
  Beziehung  denn  doch  auch  nicht  so  betrachtet  werden,  als  wenn
bei  ihnen  die  Beschränktheit  der  vorherrschende  Zug  des  geschäftlichen ­
  Verkehrs  und  der  staatsinännischen  Praxis  gewesen  wäre.
5.  In  Platons  Schrift  über  den  Staat  hat  man  unter  vielem
Andern  auch  das  moderne  Capitel  von  der  volkswirthschaftlichen
  Arbeitstheilung  finden  wollen.  Freilich  hat  Plato  nicht
übersehen,  dass  es  verschiedene  Beschäftigungen  gab  und  geben
musste.  Auch  hat  er  die  verschiedenen  Geschicklichkeiten  und
Anlagen  dabei  nicht  vergossen.  Wenn  indessen  so  etwas
nationalökonomische  Weisheit  sein  soll,  so  hat  sie  der  Urheber
der  philosophischen  Idcenlehre  mit  jeder  Person  gcthcilt,  die
überhaupt  zu  einem  Gedanken  über  das  auf  der  Hand  Liegende
Veranlassung  erhielt.  Man  ehrt  jene  Grössen  wenig,  wenn
man  bei  ihnen  das  sucht,  was  sie  selbst  nicht  suchten  und  wovon ­
  sie  gar  keine  Rechenschaft  geben  wollten.  Die  Platonische
Staatsdichtung  musste  selbstverständlich  alle  möglichen  Verhältnisse ­
  berühren  und  kann  allenfalls  in  ihrer  ganz  entfernten
Aehnlichkeit  mit  Utopien  der  neuern  Zeit,  aber  nicht  mehr
mit  dom  ‘modernen  Socialismus  verglichen  werden.  Dagegen
ist  es  schlecht  angebracht,  in  ihr  nationalökonomische  Theorien
suchen  zu  wollen.  Das  Gesetz  der  Arbeitstheilung,  wie  cs  die
Volkswirthschaftslchrc  von  vornherein  verstanden  hat,  ist  denn
doch  etwas  mehr,  als  die  höchst  unerhebliche  Vorstellung,  dass
mannichfaltige  Berufszweigo  mit  entsprechenden  verschiedenen
Geschicklichkeiten  existiren,  und  dass  Jemand  nicht  Alles  in
Allem  sein  kann.  Die  Grenze,  welche  der  jeweilige  Umfang
des  Marktes  für  die  weitere  Verzweigung  der  Berufsarten  und
die  technische  Zerlegung  der  Arbeit  in  einzelne  8])Ccialoperationen
  setzt,  —  die  Vorstellung  von  dieser  Grenze  ist  erst  diejenige ­
  Erkenntniss,  mit  welcher  die  sonst  kaum  wissenschaftlich ­
  zu  nennende  Idee  von  der  thatsächlichen  Arbeitstheilung
zu  einer  ökonomisch  erheblichen  Wahrheit  wird.  Bei  ciuer
solchen  Auffassung  muss  natürlich  der  Gedanke  der  ausser-
            
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