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und dauernd grundlegende Epoche der streng wissenschaftlichen
Oekonomie bezeichnen werden.
2. Selten ist ein äusserer Lebensgang für die Gestaltung
der Wissenschaft so bedeutsam geworden, als derjenige unseres
grössten Nationalökonomen. Friedrich List (1789—184G) aus
Reutlingen, arbeitete sich in aü'tödidaktischer Weise zu einer
Bildung empor, an deren Erlangung ihn ein regelmässiger
Studiengang ohne Zweifel gehindert haben würde. Von blossen
Schreiberverrichtungen ausgegangen und in der Büreaulaufbahn
in seinem Vaterländchen Würtemberg bis zum Oberrevisor
gelangt, hatte er Gelegenheit gehabt, die büreaukratischen
Missstände gründlichst kennen zu lernen. Durch Förderung
von Seiten des Ministers Wangenheim wurde er 1817
Tübinger Professor der Staatswissenschaften, — eine Stellung,
aus welcher man ihn aber nach dem bald erfolgten Rücktritt
des genannten Ministers von vornherein wieder zu vertreiben
suchte. Die Herren vom Tübinger Universitätssenat, die dem
neuen Mitgliede ihres Collegiums das Leben nicht sonderlich
gönnten, machten sich mit Freuden zu Interpreten der Wünsche
der rückläufig veränderten Regierung und waren unter Anderm
auch der Ansicht der letzteren, dass sich eine professorale
Thätigkeit nicht mit der Betheiligung an patriotischen Bestrebungen
vertrage, wie sie in einer Rathertheilung an den Deutschen
Fabricantcnverein liegen würde. List, der wünschen
musste, ohne Chicanen für seine Idee einer Deutschen Handelseinheit
thätig sein zu können, legte daher 1819 eine Professur
nieder, in welcher man ihn übrigens auch nicht mehr lange
belassen haben würde. Seine politisch freiheitliche Richtung
war der entscheidende Hauptgrund der regierungsseitigen Anfechtungen.
Sie bestand allerdings in nichts weiter, als in
einer antibüreaukratischen und übrigens den damaligen \ erfassungszuständen
des Ländchens Würtemberg gar nicht wesenlich
zuwiderlaufenden constitutionellen Doctrin. Schon 1818
hatte ein ministerielles Schreiben von Gefahren geredet, welche
den „jungen Männern” gegenüber die Mittheilung „theoretischer
Spcculationen” habe, und dem Professor List im Namen des
Königs „die äusserste Vorsicht bei seinen Lehrvorträgen zur
unerlässlichen Pflicht” gemacht.
Wir übergehen die Details der Thätigkeit durch und für
l)übring, Geschichte der Kationalükonomic. 2. Auflage. 22