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den Fabricantenverein und beschränken uns darauf, dass List,
der schon damals als der intellectuelle Repräsentant der Idee
eines Deutschen Zollvereins betrachtet werden musste, als Con-
sulent und geistiger Führer jenes Vereins Alles betrieb, was in
Gestalt von vorbereitenden Combinationen das schliosslicho
Ziel anzubahnen geeignet war. Sieht man auf die Bestimmung
der verfolgten Zwecke und auf das Besondere der ersten ent
scheidenden Schritte und der eigentlichen Organisation, so ist
List sogar der Stifter jenes Vereins gewesen — eine That-
sache, die nicht unerheblich ist, da man von jenen Vorgängen
des Jahres 1819 die volksthümlichen Bestrebungen für ein ein
heitliches Deutsches Zollsystem datiren muss. List zeichnete
sich aber von vornherein noch durch die politische Uoborlegcn-
heit der Fassung dieser Idee aus, indem er nicht blos die Weg
räumung der innern Zollhemmungen, sondern auch die positive
Handelspolitik an der gemeinsamen Grenze gegen das Ausland
ins Auge fasste. Durch dieses zweite, hervorragend nationale
Element unterschied sich sein Plan in der bewusstesten Weise
von alledem, was später durch die blossen Finanzintoressen
und im besten Falle durch nothgedriingene Zugeständnisse an
die Macht der Verhältnisse zu Stande kam und sich sogar in
der bessern Richtung oft nur durch die übrigens so schädliche
Trägheit der Zollveroinszustände erhielt. Der Umstand, dass
f i er ein rationelles Schutzsystem als die vorläufig unumgäng-
' liehe Ergänzung der innern Zollfreiheit hinstellte, wird seinem
politischen Verstand nicht minder als seinem Patriotismus
noch dann zur Ehre gereichen, wenn die beschränkten Auf-
! ; I fassungen verschollen sein werden, von denen die Verunglimpfung
■ dieses Standpunkts bisher ausgegangen ist. Eine bessere
■| Würdigung dessen, was er wollte, wird nicht von der princi-
' piellen Anerkennung seiner Schutztheorio, sondern nur von
der Erkenntniss abhängen, dass inmitten einer Europäischen
Umgebung von Staaten, die ihre Märkte stark protegirton, die
völlig freie Eröffnung des Deutschen Marktes eine politische
Thorheit gewesen sein würde.
Die Abgeordnetenlaufbahn, die sich sofort an die Nieder
legung der Professur anschloss, geht uns hier nur insoweit an,
als sie der Grund zu einer noch schärferen Verfolgung Lists
wurde und schliesslich nach der mit Zwangsschrciberarbeit ver
bundenen Haft auf dem Asperg zum unfreiwilligen Exil nach