Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Zölle verwirft; denn nach dem wahren historischen Frincip 
folge auf den Manufactnrschutz der Ackerbauschutz, um das 
durch die Entwicklung der Industrie verschobene Gleichgewicht 
wieder hcrzustellen. Ferner wird die wunderliche Wahrheit 
verkündet, dass im Greiscnalter eines Volks die fortschrittlichen 
Elemente vorherrschten. Die Verachtung des „giossen Malthus 
wird natürlich übel vermerkt, und auch der politisch freiheit- 
liche Standpunkt eines List ist dem Recensenten nicht genehm, 
welcher noch schliesslich den Regierungen einen denuncia- 
torischen Wink giebt, dass ein List für sie nicht der rechte 
Mann wäre. 
Aus dem Embryo des Recensenten von 1842 ist auch im 
Laufe eines Mcnschenalters nichts wesentlich Besseres geworden, 
und es hat der Pseudohistorismus dos Herrn W. Roscher an 
sich selbst und in seinen sämmtlichen Auslassungen über 
unsern grossen Nationalökonomen den Contrast zwischen der 
jesuitischen Vorschützung des Historischen und dem ehrlichen 
¡Streben nach geschichtlicher Ableitung nur immer mehr sicht 
bar gemacht. Wenn überhaupt von einer speciellen historischen 
Methode in der Nationalökonomie die Rede sein soll, so ist 
List nicht nur der Begründer einer solchen gewesen, sondern 
auch bis jetzt in Europa der einzige ernstliche Repräsentant 
dieser Auffassungsart geblieben. Dagegen kann ein Mosaik 
von Notizen und Citaten, deren Auswahl und Sammlung von 
nur geringem Urtheil zeugt, verbrämt mit etwas Malthusianis 
mus und halb verhehltem Pietismus, sicherlich keinen Anspruch 
darauf geben, einen besondern historischen Standpunkt zu ver 
treten. Im Gegentheil wird sogar ein Lehrbuch, welches auf 
diese Weise zusammengetragen ist, Mängel haben, die den 
weniger zwitterhaften und anspruchsvollen Gebüden nicht an 
haften. Das Verdienst, welches andernfalls in einer rationellen 
Sammlung und Ueberarbeitung fremder Ansichten liegen könnte, 
wird durch jene Beimischungen beeinträchtigt. In dieser Be 
ziehung ist das Lehrbuch des Herrn Roscher, ganz abgesehen 
von der Malthus-Ricardoschen Färbung, noch nicht einmal von 
derjenigen Solidität und Zuverlässigkeit, welche die zwar sehr 
platten, aber doch nach etwas Rationalität strebenden Rauschen 
Arbeiten in ihrer Art für sich hatten. Wenn die Auflösung 
aller logischen Zucht in der Gedankenhaltung Historismus 
heissen soll, dann haben wir es allerdings in allen Schriften des
	        
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