Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

373

féindlichen  Universitätskreison  eine  Zeit  lang  breit  gemacht
hat,  ohne  ernstlich  geprüft  zu  werden,  —  nur  aus  diesen
Gründen  haben  wir  ausser  der  Erinnerung  an  jene  erste  Recension ­
  auch  noch  den  weiteren  Anspruch  ihres  Verfassers  in
Frage  bringen  müssen.
Man  wird  schliesslich  fragen,  ob  nicht  der  Pseudohistorismus ­
  irgend  welche  eigenthümliche,  wenn  auch  irrthümliche
Sätze  aufzuweisen  habe.  Allein  in  dem  gänzlichen  Mangel
positiver  Eigenthümlichkeiten  liegt  grade  der  Umstand,  welcher
das  fragliche  Gebilde  unter  das  Niveau  einer  wirklich  positiven
Kritik  sinken  lässt.  Selbst  der  beste  Wille  muss  hier  an  der
Leerheit  der  Vorstellungen  scheitern.  Gesetzt,  man  liesse  die
unnatürliche  und  unhistorische,  aus  einer  Verzerrung  besserer
Ideen  entstandene  Vorstellung  von  einem  Mittelalter  und
Greisenalter  der  Völker  einen  Augenblick  gelten,  so  fehlte  es
dennoch,  auch  abgesehen  von  der  Unhaltbarkeit  dieses  Schematismus, ­
  an  Nachweisungen  von  Ursachen  für  die  verschiedenartige ­
  Gestaltung  der  ökonomischen  Wahrheiten  in  jenen  Stadien
Die  Wahrheiten  selbst  sollen  es  aber  sein,  welche  dem  Pseudohistorismus ­
  zufolge  mit  den  Zeiten  wechseln.  Die  blosse  Veränderung ­
  der  Zustände  und  der  ökonomischen  Voraussetzungen
ist  noch  von  keinem  der  grossen  nationalökonomischen  Schriftsteller ­
  und  auch  nicht  von  Adam  Smith  unberücksichtigt  gelassem
worden.  Es  blieb  jedoch  der  Verkommenheit  des  sich  historisch
nennenden  Compilationismus  oder.  Deutsch  gesagt,  der  auf
jedes  verstandesmässige  Urtheil  verzichtenden  Zusammenträgerei ­
  geschichtlicher  Lesefrüchte  Vorbehalten,  die  Wahrheiten ­
  selbst  zu  verflüchtigen  und  sogar  die  Elemente  der
klareren  Anschauungen  fremden  Geistes  durch  die  Nebel  der
eignen  Verworrenheit  unkenntlich  zu  machen.  Kein  Adam
Smith  und,  wenn  man  es  streng  nimmt,  auch  kein  Ricardo,
sondern  ein  verwaschenes  schwächliches  Abbild  von  allem
Schulmässigon,  mit  erkennbarer  Färbung,  aber  ohne  scharf
markirende  Linien,  sowie  ohne  das  geringste  Verständniss  für
grosse  Persönlichkeiten  und  wirkliche  Fortschritte  der  Theorie,
—  das  ist  die  Leere,  die  sich  hinter  der  Schaale  der  falschen
Geschichtlichkeit  oflenbart,  sobald  die  Schriften  des  Leipziger
Professors  unbefangen  untersucht  werden.
12.  Kehren  wir  von  der  widerwärtigen  Uebertägigkeit
eines  falschen  Professorrufs  zu  einer  letzten  unmittelbaren  Be-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.