Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

377 
Carey hält sogar dafür, dass die Union in Rücksicht auf die 
Erfassung des ihr angemessenen wirthschaftlichen Systems in 
A. Hamilton ihren grössten Staatsmann, also gleichsam ihren 
Colbert zu verehren habe. Man hat diesen Hamiltonschen, an 
theoretischen Erörterungen reichen und umfassenden Bericht 
noch 80 Jahre nach seiner Abfassung für geeignet gehalten, in 
vollständigem Abdruck in Amerikanischen Industriejournalen 
die Gesichtspunkte in Erinnerung zu bringen, auf denen die 
nationale Handelspolitik der Union auch neuerdings beruhe, 
und in welchen sie ihre wissenschaftliche Erklärung finde. In 
der That trifft man in der Hamiltonschen Abhandlung nicht 
nur überhaupt ein durchdachtes, mit Umsicht, Ruhe und Mässi- 
gung dargelegtes System der Wirthschaftspolitik der Union 
an, sondern wird auch durch die unverkennbarsten Keime der 
jenigen rein theoretischen Anschauungen überrascht, welche, 
wie z. B. das unumgängliche Erforderniss der Rückwirkung 
der Manufacturen zur Hervorbringung einer höheren Entwick 
lung des Ackerbaus und die hieraus folgende Interessengemein 
schaft beider Wirthschaftszweige, später das theoretisch ver 
tiefte Thema der Bemühungen der List und Carey gebildet 
haben. 
Um hier gleich einer naheliegenden Einwendung zu be 
gegnen, so sind die wirthschaftlichen Ueberlegungen und volks- 
mässigen Empfehlungen ökonomischer Privatmoral, wie sie 
sich in den Schriften eines Franklin fanden, bei aller Hoch 
achtung für die sonstigen trefflichen Eigenschaften dieses 
Mannes, doch nicht als besondere Ausgangspunkte für eine 
originäre Nationalökonomie anzusehen. Seine Bemerkungen 
über die Gruppirung der Bevölkerung, namentlich in den 
dichter gedrängten Mittelpunkten, zeugen von gesundem Ver 
stand und ziemlich unbefangener Beobachtung, aber von nichts 
weiter. Lassen wir also Benjamin Franklin als vermeintlichen 
Nationalökonomen in Frieden. Er bedarf einer solchen ver 
kehrten Zuwendung von Ruhm keineswegs. Er war wie viele 
Andere ein Beispiel, dass gesunder Sinn und einfache Wirth- 
schaftsverhältnisse in ihrer Vereinigung Manches als die aller 
trivialste Wahrheit nahelegen, worin die verschulte Auffassung 
ein höchst mühevolles Ergebniss fachmässiger Erkenntniss er 
blickt. Wem es beliebt, die wissenschaftlich ausgebildeten 
Grundsätze einer späteren Auffassung in ziemlich gleichgültigen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.