Object : Leben und Lehre des Buddha

Vom  „großen  Scheiden"  bis  zur  Erleuchtung.  23

daß  er  dort  zu  bleiben  beschloß.  In  den  Wäldern  von  Umvelä
soll  er  sich  den  strengsten  Kasteiungen  unterzogen  haben.  Aber
diese  brachten  ihm  nicht  die  gewünschte  Erleuchtung.  Da  ging  er
noch  weiter.  Er  enthielt  sich  gänzlich  der  Nahrung,  hielt  den
Atem  an  und  konzentrierte  seine  Gedanken  auf  einen  Punkt.  Fünf
Einsiedler,  die  seine  Ausdauer  bewunderten,  hielten  sich  in  seiner
Nähe  auf,  um  seine  Schüler  zu  werden,  wenn  ihm  die  Erleuchtung
käme.  Aber  trotz  aller  Askese  und  Kontemplation,  über  die  alte
und  junge  Texte  ausführlich  berichten,  kam  die  Erleuchtung  nicht.
Als  er  eines  Tages,  in  Gedanken  versunken,  langsam  auf  und  ab
ging,  fiel  er  entkräftet  zu  Boden.  Die  fünf  Einsiedler  glaubten,
er  sei  tot.  Aber  noch  einmal  erholte  er  sich,  erkannte  aber  nun,
daß  ihm  durch  Buße  und  Kasteiung  nie  die  richtige  Erkenntnis
kommen  werde.  So  gab  er  sie  auf  und  nahm  wieder  reichlich
Nahrung  zu  sich,  um  seinen  völlig  entkräfteten  Körper  zu  stärken.
Da  verließen  ihn  die  fünf  Einsiedler  und  gingen  nach  Benares.
Er  blieb  wieder  ganz  allein.  Endlich  nach  sieben  Jahren  vergeblichen ­
  Suchens  und  Ringens  kam  ihm  in  einer  Nacht,  als  er  unter
einem  Feigenbäume  saß,  die  sehnlichst  erwünschte  Erleuchtung.  Er
schritt  von  einer  Stufe  der  Erkenntnis  zur  anderen;  er  erkannte
die  Irrwege  der  Seelenwanderung,  die  Ursachen  des  Leidens  in
der  Welt  und  den  Weg,  der  zur  Vernichtung  des  Leidens  führt.
In  dieser  Nacht  wurde  aus  dem  Prinzen  Addhärtha  der  Buddha,
oder  Sambuddha,  „der  Erwachte",  „der  Erleuchtete".  Bon  ihr  an
rechnen  die  Buddhisten  die  Laufbahn  ihres  Meisters.  Buddha
selbst  soll,  als  er  die  Erleuchtung  erlangt  hatte,  die  Worte  gesprochen ­
  haben,  die  in  einem  der  schönsten  und  ältesten  buddhistischen ­
  Werke,  dem  Dhammapada,  eine  Stelle  gefunden  haben:
„Den  Kreislauf  vieler  Geburten  habe  ich  ruhelos  durchlaufen,  den
Bildner  des  Hauses*)  suchend.  Schlimm  ist  die  ewige  Wiedergeburt. ­
  Bildner  des  Hauses,  du  bist  erschaut;  du  wirst  kein  Haus
mehr  bauen.  Deine  Balken  sind  gebrochen,  und  des  Hauses  Dach
vernichtet.  Das  Herz,  frei  geworden,  hat  alle  Begierden  getilgt."
Diese  hochberühmten  Verse  spiegeln  sehr  klar  wider,  was  Buddha
vor  allem  erreichen  wollte:  Befreiung  von  den  Begierden  und
damit  Befreiung  von  der  Wiedergeburt.  Der  Feigenbaum,  unter
dem  Buddha  die  Erleuchtung  erlangte,  wurde  als  „Baum  der  Erleuchtung" ­
  (Sanskrit  bodhivrksa,  Pali  bodhirukkha)  ein  Gegen-1)

  b.  h.  die  Ursache  der  Wiedergeburt.
            
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