Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

Copernic, annotes par Wolowski, Paris 18G4) erschienen ist, so 
kann es einigermaassen die Mühe lohnen, sich selbst zu über 
zeugen. Man wird bei näherem Zusehen und unter Voraus 
setzung einer genauen Kenntniss des in unserer modernen 
Geldtheorie Erheblichen sich sehr bald überzeugen, dass weder 
in der einen noch in der andern Schrift in Rücksicht auf die 
volkswirthschaftlicho Theorie der Functionen des Geldes etwas 
Wichtiges enthalten sei. Der Unterschied in dem Interesse an 
beiden Arbeiten besteht nur darin, dass wir es in dem einen 
Falle mit den Gedanken des Begründers der modernen Astro 
nomie, in dem andern Falle aber nicht einmal mit einer Person 
aus dem Kreise der eigentlichen Wissenschaften zu thun haben. 
Abgesehen von der lebhaften Theilnahme, mit welcher Coper 
nicus für die Herstellung soliden Geldes und gegen die Müuz- 
verschlechterung eintrat, hat es immerhin einigen Reiz, zu 
zusehen, ob nicht die ganz gewöhnlichen Irrtliümcr solchen 
Geistern ersten Ranges selbst in einer Nebenarbeit fremd ge 
blieben sind. In der That kann man wahrnehmen, wie hier 
die Kraft der rein wissenschaftlichen Auffassung die Widei-- 
sprüche ferngehalten und der Auseinandersetzung eine reine 
und klare Gestalt gegeben hat. Nichtsdestoweniger wird man 
aber auch bei dieser Gelegenheit einsehen müssen, dass es ver 
gebens sein würde, über Rolle und Verrichtungen des Geldes 
Vorstellungen zu suchen, die mehr enthielten, als die ganz ge 
wöhnlichen Ideen des Griechischen Alterthums. Das schliess- 
liche Ergebniss bleibt also immer das Nichtvorhandensein eigent 
licher und erheblicher volkswirthschaftlicher Sätze vor Beginn 
der neuern Zeit. Vorher hat man zwar überall wirthschaftliche 
Vorstellungen unwillkürlich bilden müssen; aber man hat sich 
nie zu wirthschaftlichen Sätzen und rationellen Verbindungen 
solcher Sätze erhoben. 
Zweites Capitel. 
Der Mercantilismus und die Colbertsche Praxis. 
Der natürliche und noth wen di ge Entwicklungsgang wirth- 
schaftlicher Einsichten hat seinen Ausgangspunkt in der Praxis 
der Geschäftsleute und Staatsmänner. Um aber schliesslich zu 
einer eigentlichen Wissenschaft zu führen, muss er zuerst irgend 
einmal zu einer entschiedenen Loslösung von dem unmittel-
	        
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