Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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davon entfernt, ein nothwendiges Gesetz der Wirthschaftsauf- 
lösung und der wirthschaftlichen Staatenzersetzung anzuerkennen. 
Im Gegentheil soll die günstige Entwicklung für jedes Volk 
ins Unbegrenzte gehen können, wenn sie nicht durch falsche 
Schritte freiwillig zum Abgrunde einlenkt. Hier schiebt sich 
bm ehie IDopp^kek der V^eltm^^u^ung 
ein, wonach im letzten Grunde noch etwas Anderes möglich 
sein soll, als was in der That wirklich wird. Aus diesem 
Grunde wehrt er sich auch gegen die Anerkennung des Staa 
ten- und Völkertodes als einer unausweichlichen Naturgesetz 
lichkeit. Man sieht, dass er an einer Ansicht festhält, die eine 
selir gemeiiie ist und sich iii den nietaphysisch siihUinirtoron 
Formen überall da findet, wo an der menschlichen Freiheit ein 
wenn auch noch so kleiner Rest oder ein mystisches Hinter- 
gründchen, wie bei Kant, von der allesbeherrschcnden Natur 
gesetzmässigkeit ausgenommen oder über dieselbe gestellt wer 
den soll. Man hat mithin kein Recht, an Careys aus der ratio- 
nalisirten Religion stammenden Geschichtsphilosophie zu mäkeln, 
wenn man nicht selbst auf dem völlig radicalen Grund und 
Boden des theoretischen Materialismus und der kritisch natur 
wissenschaftlichen Denkweise steht. 
7. Auch die antimalthusische Bevölkerungstheorie des Sy 
stems hat einen Zug, der sie zur völligen Umkehrung der An 
schauungsart des Anglikanischen Priesters macht. Während 
der letztere ein providentielles Naturgesetz beliebte, vermöge 
dessen die sündige Volksvermehrung dem Nahrungsvorrath 
stets voraus sein sollte, um dann den Lohn dieser Welt, näm 
lich eine Decimirung durch Kriege, Seuchen, Elend und Laster 
einzuernten, hat sich der Pensylvanische Socialphilosoph von 
vornherein auf den Standpunkt eines religiösen Optimismus 
^stellt. Nahrung und Bevölkerung können sich hienach nicht 
in Disharmonie befinden; denn sonst wären die Naturverhält- 
nisse ein Pfuscherstück ihres vorausgesetzten] Urhebers. Die 
wachsenden Kräfte des Menschen müssen daher mit der Anlage 
der äussern Natur derartig zusammenstimmen, dass die Fähig 
keit zur Erzeugung der Lebensbedingungeu den Ansprüchen 
an dieselben nicht nur gewachsen bleibt, sondern in immer 
reichlicherem Maasse entspricht. Der Nachweis durch stati 
stische Thatsachen muss hier natürlich problematisch bleiben, 
und man sollte daher die Careyschen Anführungen mit Be-
	        
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