Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Erzeugnisse seines rohen Ackerbaus auf entfernte Märkte aus- 
Zufuhren, wird schliesslich auch zu dem Export von Menschen 
gelangen müssen. 
Man könnte fast glauben, dass der bezeichnete Standpunkt 
le Industrie im engem Sinne zum Hauptzweck mache; in 
dessen hat Carey es ausdrücklich ausgesprochen, dass die 
Landwirthschaft der Zweck und die Industrie das Mittel sei. 
Mit Friedrich List hält er an der Wahrheit fest, dass die 
verbesserte Landwirthschaft erst der Industrieentwicklung folo-e 
^er nicht vorangehe. Er ist daher auch ein Gegner d^r 
cvölkerungszerstreuung im rohen und barbarischen Ackerbau, 
r will die neue Cultur entfernterer Landstrecken verschoben 
wissen, um nur erst ein kräftiges Industriesystom mit naher 
Ackercultur auszubilden, an welches sich dann die weitere 
Ausdehnung der innern Colonisation mit verbesserten Mitteln 
anschliessen mag. Jedoch ist er kein Freund der massenhaften 
Bevölkerungsanhäufungen in den nach seiner Ansicht über 
wuchernden Gressstädten. Er unterscheidet die absorbirende 
und unterdrückende Handelscentralisation von der gerecht- 
iertigten Concentration des Verkehrs und hat überall die 
wirthschafthche Decentralisation als Ziel vor Augen. In der 
Landwirthschaft sieht er diejenige Thätigkeit, die zuletzt 
rationell und hiedurch der schHesslioh wieder überwiegende 
Grund und Zweck aller Wirthschaftsbemühungen werde. Grade 
aber durch die begünstigte Entwicklung der Industrie soll sich 
die Volkswirthschaft decentralisiren und sollen die Preise der 
landwirthschaftlichen Erzeugnisse denen der Fabricate ange 
nähert werden. Der sinkende Unterschied dieser Preise o-ilt 
ihm als Zeichen der Civilisation und als der immer engere 
tepielraum, in welchem sich Bodenrente, Capitalgewinn und 
Zins bewegen. Der entscheidende Vortheil, der sich für den 
Landwirth aus der Localisation der Volks wirthschaft und 
mithin durch den nahen Markt ergiobt, ist der Wegfall der 
gesellschaftlichen Besteuerung, die ihm sonst für Transport 
und H^del in einem Maasse auferlegt wird, dass der Preis 
seiner Erzeugnisse an der Productionsstätte nur einen kleinen 
Iheil des am Bestimmungsort geltenden Preises ausmacht. 
le steigenden Preise der landwirthschaftlichen Erzeugnisse 
^d überhaupt der Rohste# sind für Carey in einer ähnlichen 
Weise, wie sie es schon für Boisguillebert waren, eine Vorbe-
	        
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