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Wissenschaft nehmen wollte, würde gewaltig irreal. Die blosse
Aufprilgiing einer verschulten Ansdrucksweiso macht sicherlich
auch keine Wissenschaft, sondern wird das etwa davon Vor
handene nur entstellen und verderben. Sic wird die Ansichten
der Geschilftsleuto und Staatsmänner im besten Falle nur ge
schmacklos und ungeniessbar machen, gewöhnlich aber selbst
nicht einmal gehörig zu copiren verstehen. Wo aber das Ge
rüst schulmässiger Darstellung nicht ausartet, sondern einfach
seinem Zweck entspricht, da wird ebenfalls sein blosses Dasein
noch weit davon entfernt bleiben, einem an sich unvollkommen
verarbeiteten Stoff den Charakter einer folgerichtigen Wissen
schaft zu verleihen. Dieser Umstände muss man eingedenk
bleiben, wenn man sich den Versuchen gegenüber sieht, den
erst seit dem letzten Jahrhundert zur Geltung gelangten Be
griff einer nationalökonomischen Wissenschaft in die Acusse-
rungen derjenigen Schriftsteller hincinzutragen, welche unter
dem Einfluss des Mercantilismus schrieben. Sehr oft haben
diese Autoren Auffassungen entwickelt, die aus dem Zusammen
hang ihrer übrigen Darlegungen herausgehoben, den Schein
viel tieferer Einsichten und offenbarer Vorwegnahmen der
Hauptpunkte neuerer Systeme erzeugen. Sicht man aber näher
zu und berücksichtigt das Ganze ihrer Darstellung und Denk
weise, so findet sich regelmässig, dass sie nebenbei und in einem
ihnen selbst unbewussten Widersprach auch diejenigen Haupt
vorstellungen des Mercantilismus cultivirten, welche von einem
ernstlich veränderten Standpunkt aus verworfen oder wenig
stens eingeschränkt und berichtigt werden mussten. Grade die
Thatsacbe, dass diese zerstreuten Glieder des Richtigen und
Falschen neben einander liegen konnten, ohne dass ein einheit
licher Körper der Wahrheit an zu treffen gewesen wäre, beweist
uns deutlich genug, wie die Berufung auf gelegentliche Vor
stellungen und Ausführungen oder gar auf einzelne Stellen nur
in den seltensten Fällen etwas zu entscheiden vermöge. Wo
es nämlich auf die Grundansichten und eigentlichen Principien
ankommt, wird man danach zu fragen haben, von welchen Vor
stellungen sich die Schriftsteller wirklich leiten Hessen, und
man wird sich nicht dadurch täuschen lassen dürfen, dass sie
bei gewissen Gelegenheiten, wo cs die grade naheliegenden
Thatsachen mit sich brachten, fast unwillkürlich zu andern Aus
sprüchen und Gesichtspunkten gelangten.