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sollte, konnte sie sich bei dieser neuen Unglücksbotschaft
nicht länger zurückhalten. Sie eilte nach Aachen und,
mit den Beweisstücken in der Hand, begab sie sich zum
Grafen. Feig wie immer spielte er für einen Augen
blick den Reuigen. Er gesteht, bittet um Verzeihung,
verspricht nicht nur, den Akt der Schenkung rückgängig
zu machen, sondern auch endlich seine Ungerechtigkeiten
gegen sie einzustellen. Er bittet sie, ihren Notar aus
Düsseldorf zu holen und mit demselben zurückzukommen,
er wolle sich zu allen?, was sie verlange, notariell ver
pflichten.
Die Gräfin reist nach Düsseldorf und kommt mit
ihrem Notar zurück. Aber schon hatte der Graf seine
Gesinnung wieder geändert, auf den Rat seiner hinter
listigen Ratgeber, die ihn habgierig ausbeuteten. Er
verschließt die Tür vor der Gräfin, empfängt sie nicht
mehr. Er antwortet nicht auf die schriftlich an ihn ge
richtete Anfrage, ob er seine unselige Schenkung rück
gängig gemacht habe oder nicht. Er läßt sich nur
durch die Meyendorff sprechen, welche gleichzeitig hier
ist und alle Tage mit ihm zubringt.
Die zwei Lager stehen einander gegenüber, das
unserige und das seinige. Man beobachtet sich gegen
seitig und wartet ab.
Plötzlich bringt man mir die Nachricht, daß die Meyen
dorff sich nach der Eisenbahn begibt, um nach Köln zu
seifen. Ich beauftrage Oppenheim und Mendelssohn,
welche bei mir waren, ihr überallhin, wohin es auch
sei, selbst bis ans Ende der Welt, zu folgen, sie beständig
im Auge zu behalten und sich womöglich Gewißheit zu
verschaffen, ob die Schenkungsurkunde zurückgenommen