Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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viduellen Sichselbstüberlassung des Yerkebrs stattbaben soll, 
braucht nicht gestritten zu werden. Dieser Gedanke ist zu all 
gemein, zu vage, zu fictiv und viel zu alt in der Gcschicbto der 
Oekonomie, um im 19. Jahrhundert eine Eigentbümlichkeit 
der besondern, von einem bestimmten Denker in Anspruch zu 
nehmenden Auffassung ausmachen zu können. Dagegen sind 
specielle Vorstellungen und Sätze, durch welche die Harmonie 
erwiesen werden soll, allerdings in Frage zu bringen. Iliomit 
befinden wir uns aber schon auf dom Boden der Ideen von 
einer durchaus individuellen Physionomie. Es ist das harmo 
nische Vertheilungsgesetz Careys, welches sich Bastiat unge 
eignet hat, ohne jedoch hei der Verpflanzung auch die Wurzel 
desselben mitzuübernchmen. Der letztere Umstand hat es ver 
schuldet, dass dieses Gesetz, welches wir bei der Behandlung 
Careys kritisirt haben, in der Bastiatschen Schrift ohne Be 
weisversuch, ohne innern Grund und daher auch ohne die zu 
gehörigen Voraussetzungen dasteht. Auch würde dem ganzen 
Unterfangen, den Socialismus zu widerlegen, die Spitze abge 
brochen worden sein, wenn das Gesetz in seinen Gründen und 
Vorbedingungen und nicht vielmehr als ein empirisches Dogma 
hingestellt worden wäre. Die antisociale Agitation hat sich 
der dürren Formel bemächtigt, die ihr von befreundeter, d. h. 
freihändlerischer Seite in den Bastiatschen Harmonien als un 
verdächtiges Mittel zugeführt wurde. Sie hat in Deutschland 
diese vermeintliche Waffe ein Dutzend Jahre später gegen den 
dort aufkommenden Socialismus gebraucht, sich aber wohl 
nicht träumen lassen, dass sich das Instrument in meinem so- 
cialitären System schliesslich gegen diejenigen kehren würde, 
die an demselben eine ganz besondere Auskunft gegen den 
Socialismus zu besitzen meinten. 
Hat Bastiat das Careyscho Vertheilungsgesetz ohne die 
Wurzel in seinen harmonischen Garten verpflanzt oder viel 
mehr in sein Herbarium Amerikanischer Gewächse übernommen, 
so hat er die Werththeorio bei dem Auspressen und Trocknen 
so zugerichtet, dass er es allerdings mit ein wenig Schein wa 
gen konnte, in dem oben erwähnten Brief das Plagiat hier 
entschiedener zu bestreiten und sich auf ein paar formale 
Eigenthümlichkeiten von eigner Production zu berufen. Der 
nichtssagende Satz, dass der Werth ein „Verhältnias von Dien 
sten” sei, mag daher dem Französischen Autor als eigne Erfin-
	        
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