Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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noch  keine  natürliche  Ordnung,  Die  Gesellschaftsverfassung
mit  Sklaverei  oder  Leibeigenschaft  wäre  sicherlich  ein  schlechtes
Bild  im  nahmen  der  „natürlichen  Organisation.”  Die  Rechtsgestaltung, ­
  die  doch  jederzeit  irgend  eine  Form  haben  muss,
ist  bei  Bastiat  vollständig  umgangen,  und  unser  Harmoniker
hat  sich  offenbar  eingebildet,  dass  der  heutige  Gang  der  Dinge,
nämlich  die  vom  Capital  abhängige  Lohnarbeit,  eine  reine
Naturorganisation  sei,  die  unter  allen  Umständen  aus  dem
freien  Spiel  der  individuellen  Wirthschaftsinteressen  folge.  Dies
ist  aber  nur  unter  der  Voraussetzung  der  Fall,  dass  sich  auch
in  socialer  Beziehung  geschichtlich  eine  Unterordnung  durch
nichtwirthschaftliche  Hülfsmittel  gebildet  hat  und  fernerhin  aufrecht ­
  erhält.  Bastiat  hat  also  sein  nicht  nur  abstractes,  sondern ­
  auch  fingirtes  Gebilde  von  natürlicher  Organisation,  welches
nie  und  nirgend  existirt  hat  und  auch  nicht  existiren  kann,
denjenigen  Gestaltungen  untergeschoben,  die  eine  nothwendige
Wirkung  der  rein  socialen  oder  politischen  Arrangements  sind.
Er  hat  zwar  das  Recht  der  Arbeiter  auf  freie  Coalitionen  anerkannt, ­
  aber  die  Ausübung  desselben  als  wirthschaftlich  gleichgültig ­
  angesehen.  Wer  nun  behaupten  kann,  dass  die  socialen
Coalitionen  keinen  Einfluss  auf  die  Vertheilung  und  auf  das
ökonomische  Verhältniss  von  Arbeit  und  Capital  üben,  der  beweist, ­
  dass  er  von  den  Gesetzen  der  Socialökonomie  noch  nicht
einmal  die  ersten  Anfangsgründe  festgestellt  habe.  Er  verbleibt ­
  in  jener  alten  und  einseitigen  Auffassungsart,  derzufolge
die  reinen  Productionsgesetze  allmächtig  und  die  socialpolitischen ­
  Bestimmungsgründe  ohne  Einfluss  sein  sollen.  In  der
That  verschränkte  sich  Bastiat  noch  einseitiger,  als  es  jemals
geschehen  war,  in  das  Vorurtheil  der  händlerischen  Oekonomie,
dass  es  sich  bei  der  Bestimmung  der  Einkünftegrössen  um  reine
Austauschungen  und  wohl  gar  um  Austauschungen  auf  gleichem
Fuss  handle.  Dies  ist  nicht  vollständig  aber  doch  beinahe  ein
ähnlicher  Fehler,  als  wenn  man  den  Sold  der  nicht  frei  angeworbonen,
  sondern  ihrer  Bürgerpflicht  nachkommenden  Truppen
für  ein  Kaufgeld  ihrer  Dienste  halten  wollte.  Schliesslich
könnte  man  am  Ende  gar  das  Futter  des  Sklaven  und  des
Leibeignen  als  die  Folge  eines  Austauschgeschäfts  von  Dienst
gegen  Dienst  ansehen.  Dadurch,  dass  Bastiat  die  politische
Oekonomie  ausdrücklich  im  Austausch  aufgehen  lässt,  hat  er
sich  zum  Theoretiker  des  sogenannten  Manchesterthums  ge-
            
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