Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Werk künftig durch ein breiteres, verständlicher sein sollendes 
Lehrbuch zu ersetzen. Diese frühe Fixirung der Gedanken 
konnte nun wohl eine Mittelmässigkeit zu einer, wenn auch 
schwerfälligen, so doch immerhin nachhaltigen Autorvirtuosität 
aufstutzen, und rechnet man hiezu noch die baldige Einführung 
in das Reviewerthum und überhaupt in die Diplomatie der 
Journalistik, namentlich der Mittel und Wege der baldigen 
Erfolgmacherei, so hat man sich über das Weitere nicht im 
Mindesten zu wundern. Stuart Mill blieb, soviel auch an ihn 
kam, Zeit seines Lebens wesentlich das, wozu ihn sein Vater 
schon in den reiferen Knabenjahren geformt hatte. Seine Dar 
stellung der politischen Oekonomie wurde durch die verschleier 
ten halbsocialistischen Hindergedanken nur noch mehr ein con- 
sequenz- und charakterloses Gemisch der unwillkürlichen 
Bourgeoisdenkweise und der zum Theil abgeschwächten, zum 
Theil verhehlten Gegenregungen. Religionslos, nämlich nicht 
einmal verschwommen theistisch, sondern völlig skeptisch er 
zogen, aber zugleich von seinem Vater mit dem Recept ver 
sehen, derartige Ansichten nie einzugestehen, hat Mill sich in 
der Philosophie Redeweisen und Gedanken Wendungen gestattet, 
die mit seinen wirklichen Ansichten nicht stimmten, und auf 
dieselbe Weise erklärt sich die Kluft, die zwischen seinem Buch 
über politische Oekonomie und seinen Bekenntnissen in der 
Selbstbiographie gähnt. Die letztere ist aus diesen und andern 
Gründen einiger Lectüre werth. Sie lehrt, was ein sorgfältiger 
Unterricht beinahe aus jedem Holze für einen Autormercur zu 
schnitzen vermöge, und wie armselig im Vergleich zu solchen 
Erfolgen die gewöhnliche Unterrichtsweise der mittleren und 
höheren Lehranstalten sich ausnehme. Die beste sociale Lehre, 
die ein Mill je zu ortheilen vermochte, liegt in seinem Erzie 
hungsschicksal, und die Wohlgemeintheit, mit der er nun 
schliesslich selbst seine Lebensumstände als wichtiger und als 
das eigentliche Hauptinteresse bezeichnet hat, mag mit der 
Schwäche seiner, zur Weltcelebrität gelangten Leistungen in 
Philosophie und Oekonomie einigermaassen aussöhnen. Hiemit 
ist aber auch ein näheres Eingehen auf Einzelheiten des In 
halts seiner politischen Oekonomie, wozu ich mich in der ersten 
Auflage dieser Geschichte, wenn auch widerwillig, herbeige- 
lasson hatte, überflüssig geworden. Einen neuen, die Wissen 
schaft fördernden Gedanken wird Niemand, der schärferes 
Duliring, Geschichte der Nationalökonomie. 2. Auflage. 29
	        
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