Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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die  Verfassung  selbst  ändern  und  der  Bevölkerungsmenge  anpassen ­
  zu  müssen.  Glücklicherweise  kann  man  dem  Bade  der
Natur  in  dieser  Richtung  nicht  mit  solchen  individuellen
Privatrecepten  in  die  Speichen  fallen.  Mill  ruft  zwar  seine
Glientinnen  zu  Hülfe.  Die  Frauen  sollen  im  Hinblick  auf
Geburtsschmerzen  und  weitere  Beschwerden  der  Mutterschaft
ihr  Familienstimmrecht  üben.  Indessen  dürfte  es  auch  abgesehen
von  der  Bedeutung  dieser  Bundesgenossenschaft  einer  der  befremdlichsten ­
  Züge  des  Millschen  Ideenganges  sein,  dass  bei
bereits  vorhandener  Ehe  die  Regulirung  der  Kinderzahl  oder
überhaupt  die  Existenz  von  Kindern  noch  erst  der  Willkür
anheimfallen  soll.  Will  man.  hier  nicht  an  offenbare  Corruptionserscheinungen
  denken,  so  bleibt  nur  die  Niaiserie  einer  Ehe
übrig,  die  keine  sein  soll.  In  der  That  verheirathete  sich  Mill
erst  in  den  vierziger  Lebensjahren  mit  einer  Wittwe,  die
ebenfalls  in  den  Vierzigern  war,  und  er  hat  offenbar  in  der
Abstandnahme  von  Familienentfaltung  ein  Gegenstück  zu  dem
in  dieser  Beziehung  luxuriirenden  Priester  Malthus  geliefert,
der,  um  mit  Byron  zu  reden,  reichlich  „das  that,  was  er  in
Büchern  schlecht  machte”.  Wie  sehr  bei  Mill  die  Hemmung
der  Bevölkerung  eine  ihn  überallhin  begleitende  Vorstellung
geworden  ist,  mag  man  daraus  entnehmen,  dass  er  eine  Wahlrede ­
  mit  der  Hinweisung  auf  sein  Princip  begann,  demzufolge
nicht  mehr  Kinder  geboren  werden  sollten,  als  für  welche  die
erforderliche  Nahrung  bereit  wäre.
7.  Die  von  Mill  hintcrlassene  Lebensbeschreibung  (Autobiography, ­
  London  1873)  hat  nicht  nur  mein  altes,  viele  Jahre
vorher  im  Gegensatz  zu  den  landläufigen  Ansichten  vertretenes
Urtheil  bestätigt,  sondern  auch  den  Stoff  geliefert,  zu  der  geringen ­
  Meinung  von  den  Fähigkeiten  des  Schriftstellers  bestimmtere ­
  Aufschlüsse  über  die  Charakterunzulänglichkeit  der
ganzen  Person  hinzuzufügen.  Das  einzige,  aber  offenbar  recht
zweideutige  Gute,  was  an  dieser  Autobiographie  anzuerkennen
ist,  besteht  darin,  dass  Mill  es  in  ihr,  wenn  auch  eben  erst  in
ihr,  am  Orte  und  an  der  Zeit  gehalten  hat,  einigermaassen
ofien  zu  sein.  Diese  Eigenschaft  ertheilt  der  durch  die  Sicherheit ­
  des  Grabes  gedeckten  Kundgebung  mehr  Bedeutung  und
Interesse,  als  den  sämmtlichen  Millschen  Werken  zusammengenommen. ­
  Der  Autor  bekennt  darin,  dass  er  seine  schriftstellerischen ­
  Erfolge  in  der  Oekonomie  nicht  seinen,  eher  unter
            
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