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der Neigung, um jeden Preis von der üeberlieferung abzuweichen
und auch da den Schein einer eignen Originalität historisch zu
stützen, wo nicht sie, sondern nur ein Rückfall in vulgäre Ansichten
vorhanden ist. Trotz alledem kann man sich aber mit Macleods
Schriften insofern befreunden, als sie relativ das Streben nach for
meller Wissenschaftlichkeit, ungeachtet aller Scholastik und aller
Bizarrerien, in einem Grade vertreten, wie er den weniger fehl
baren, weil von vornherein todtgebornen Compilationen der Schul
routine und des Scholarchenthums nicht eigen sein kann.
10. Da unser Schotte vor allen Dingen Systematiker sein
will und in der That der abstracten, uns Deutschen sicherlich
nicht antipathischen Denkweise huldigt, die in seinem engem
Vaterlande schon vor Hume und Smith traditionell war, so
dürfen wir uns nicht wundern, einem einzigen Princip eine
allesbeherrschende Rolle zugetheilt zu sehen. Es ist dies von
dem fraglichen Standpunkt aus mit Recht das Gesetz der Con-
currenz, aber unglücklicherweise in einer viel zu engen Fassung,
in welcher es nur die Aussenseite und Oberfläche der Erschei
nungen berührt. Wie bei Bastiat ist der Tausch der letzte
Ausgangspunkt, und die händlerisch gefärbte Vorstellungsart
prägt sich besonders darin aus, dass der tiefgreifende Grund
trieb der Concurrenz die Gestalt eines blossen Gesetzes von
Angebot und Nachfrage annimmt. Indessen auch in dieser
beschränkten Gestalt wird es noch weiter dadurch reducirt, dass
es nur das oberflächliche Spiel der Veränderungen des Marktes
betreffen soll. Die Grössen, um deren gegenseitiges Verhältniss
es sich bei diesem Gesetz handelt, werden mehr formal voraus
gesetzt, als wirklich auf ihre entlegensten Productionsursachen
zurückgeführt. Doch mag es immerhin eine erspriessliche Hebung
sein, den Macleodschen Ableitungen und Reflexionen zu folgen
und zu betrachten, wie sich das Gesetz von Angebot und Nachfrage
in allen ökonomischen Fundamentalverhältnissen bethätige.
Den Begriff des Werthes überspringt Macleod insofern,
als ihm die Werththeorie ohne Weiteres zu einer Theorie der
Preise wird. Diese Wendung ist allerdings besser, als die
Einführung unnützer oder gar haltloser Schulunterscheidungen
zwischen Werth und Preis. Allein es stimmt sehr wenig zu
ihr, dass der Vertreter derselben ungeachtet seiner Vorliebe
für Bastiat und dessen Begriff vom Dienste, dennoch die Brauch
barkeit vorherrschend als Werthursache im Auge hat. Im Hin-