Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

457 
der Neigung, um jeden Preis von der üeberlieferung abzuweichen 
und auch da den Schein einer eignen Originalität historisch zu 
stützen, wo nicht sie, sondern nur ein Rückfall in vulgäre Ansichten 
vorhanden ist. Trotz alledem kann man sich aber mit Macleods 
Schriften insofern befreunden, als sie relativ das Streben nach for 
meller Wissenschaftlichkeit, ungeachtet aller Scholastik und aller 
Bizarrerien, in einem Grade vertreten, wie er den weniger fehl 
baren, weil von vornherein todtgebornen Compilationen der Schul 
routine und des Scholarchenthums nicht eigen sein kann. 
10. Da unser Schotte vor allen Dingen Systematiker sein 
will und in der That der abstracten, uns Deutschen sicherlich 
nicht antipathischen Denkweise huldigt, die in seinem engem 
Vaterlande schon vor Hume und Smith traditionell war, so 
dürfen wir uns nicht wundern, einem einzigen Princip eine 
allesbeherrschende Rolle zugetheilt zu sehen. Es ist dies von 
dem fraglichen Standpunkt aus mit Recht das Gesetz der Con- 
currenz, aber unglücklicherweise in einer viel zu engen Fassung, 
in welcher es nur die Aussenseite und Oberfläche der Erschei 
nungen berührt. Wie bei Bastiat ist der Tausch der letzte 
Ausgangspunkt, und die händlerisch gefärbte Vorstellungsart 
prägt sich besonders darin aus, dass der tiefgreifende Grund 
trieb der Concurrenz die Gestalt eines blossen Gesetzes von 
Angebot und Nachfrage annimmt. Indessen auch in dieser 
beschränkten Gestalt wird es noch weiter dadurch reducirt, dass 
es nur das oberflächliche Spiel der Veränderungen des Marktes 
betreffen soll. Die Grössen, um deren gegenseitiges Verhältniss 
es sich bei diesem Gesetz handelt, werden mehr formal voraus 
gesetzt, als wirklich auf ihre entlegensten Productionsursachen 
zurückgeführt. Doch mag es immerhin eine erspriessliche Hebung 
sein, den Macleodschen Ableitungen und Reflexionen zu folgen 
und zu betrachten, wie sich das Gesetz von Angebot und Nachfrage 
in allen ökonomischen Fundamentalverhältnissen bethätige. 
Den Begriff des Werthes überspringt Macleod insofern, 
als ihm die Werththeorie ohne Weiteres zu einer Theorie der 
Preise wird. Diese Wendung ist allerdings besser, als die 
Einführung unnützer oder gar haltloser Schulunterscheidungen 
zwischen Werth und Preis. Allein es stimmt sehr wenig zu 
ihr, dass der Vertreter derselben ungeachtet seiner Vorliebe 
für Bastiat und dessen Begriff vom Dienste, dennoch die Brauch 
barkeit vorherrschend als Werthursache im Auge hat. Im Hin-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.