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Noch in einer posthumen Schrift hat sich Proudhon sehr
scharf gegen die Corruption der Presse ausgesprochen. Diese
späte Bekräftigung eines Thema, welches er auch früher viel
fältig variirt hatte, ist höchst drastisch ausgefallen. In der
fraglichen Schrift „Von der politischen Befähigung der arbei
tenden Classen” (De la capacité politique des classes ouvrières,
1865) wird der Französischen Presse gradezu gesagt, dass sie
für ihre Perfidie und Corruption mit den Strafen, mit welchen
sie vom herrschenden Regime bedacht worden sei, noch lange
nicht genug gebüsst habe. In solchen Aussprüchen ist nun
zwar ein Theil des Gedankens dem persönlichen Ressentiment
zuzuschreiben, da unser VolksOkonomist, trotz seiner in vielen
Beziehungen nur zu unschuldigen Haltung, dennoch nach 1848
nicht mehr mit den Organen der Bourgeoisie in Frieden loben
konnte. Indessen bezieht sich sein Urtheil auf die gesammto
Presse ohne sonderlichen 'Unterschied der Parteistellung, und
es bekundet sich in demselben ein Zug jenes Gerechtigkeits
gefühls, an welches wir schon mehrmals erinnert haben. Prou
dhon wusste, dass die politischen Einschnürungen der Gedanken
freiheit nicht die allein schlimmen sind, sondern dass die so zu
sagen wilde, ungeordnete und willkürliche Polizei, welche von
den Gesellschaftsinteressen, Parteien und Coterien durch Unter
drückungen, Entstellungen, Verleumdungen, kurz durch ein
ganzes Arsenal der schlechtesten Mittel geübt wird, in vielen
Richtungen weit unerträglicher geartet ist, als ihr, vornehmlich
nur einen einzigen Zweck verfolgendes Gegenstück. Diese Wahr
heit wird der künftige Historiker zu beachten haben, ^und sie
ist vielleicht die einzige, in deren Kern sich Proudhon nicht
vergrifien hat. Hier war sein Urtheil aus der unmittelbarsten
Erfahrung geschöpft und blieb von der höheren Einheit des
dialektischen Gallimathias verschont.
Da wir einmal aus den vielen Schriften Proudhons auch
diejenige über die politische Befähigung der arbeitenden Classen
erwähnt haben, so sei noch bemerkt, dass man grade in dieser
späten Arbeit einen Versuch antrifft, über ein ganzes System
des Mutualismus Rechenschaft zu geben. So soll sich z. B. die
Gegenseitigkeit darin verwirklichen, dass die Getraidepreise
für eine längere Zelt öffentlich nach einem Durchschnitt fixirt
werden. Auf diese Weise würde nach der Proudhonschen An
sicht einem doppelten Uebel vorgebeugt, indem die schlechten