Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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den  billigeren  Getraidepreisen,  sowie  überhaupt  an  die  erleichterte ­
  Production.  Dieser  Antagonismus  von  Werth  und  Nutzbarkeit ­
  war  schon  ein  Jahrzehnt  vor  dem  Erscheinen  der
Proudhonschcn  Widersprüche  durch  Careys  Principien  der  politischen ­
  Oekonomie  im  weitesten  Umfang  erklärt  und  mithin
das  vermeintliche  Rathsei  langst  gelöst  worden.  Es  blieb  jedoch ­
  einem  Bastiat  als  Gegner  Proudhons  Vorbehalten,  von
der  Ausgleichung  des  fraglichen  Widerspruchs  in  Europa  den
ersten  Gebrauch  zu  machen,  und  wenn  auch  diese  schülermassige ­
  Lösung  durch  den  Franzosen  erhebliche  Missverständnisse ­
  und  Verunstaltungen  eingeschlossen  hat,  so  ist  sie  doch
der  vorläufige  Ausgangspunkt  für  die  Bekanntschaft  mit  der
neuen  Werththeorie  geworden.  Proudhon  hatte  in  seinem
krausen  Vorstellungsspiel  überall  nach  Gegensätzen  gehascht,
die  er  sofort  für  Widersprüche  nahm,  und  er  war  in  dieser
Widerspruchsjagd  auch  einmal  zufällig  auf  die  Spur  eines  wirklichen ­
  Problems  gerathen,  die  er  jedoch  nicht  im  Mindesten
zu  verfolgen  verstanden  hat.
Am  bekanntesten  sind  aus  dem  Bereich  der  Proudhonschen
Imaginationen  die  Folgerungen  geworden,  welche  der  Volksökonomist ­
  an  das  knüpfte,  was  er  sich  von  der  Grundrente
dachte.  Seine  Ideen  über  diesen  hochwichtigen  Begriff  lehnten
sich  scheinbar  an  die  Schulökonomie  an.  Der  Sagenkreis,  der
sich  um  die  Ricardosche  Rententheorie  für  alle  diejenigen  bildete, ­
  die  sich  nicht  die  Mühe  gaben,  die  eignen  Auslassungen
des  Urhebers  zu  Rathe  zü  ziehen,  hatte  auch  auf  Proudhon
seine  Wirkung  geübt.  Ohne  irgend  welchen  deutlichen  Begriff
von  dem  Sinn,  in  welchem  Ricardo  eine  Fr  uchtbarkeitsdifferenzenrento
  vor  Augen  hatte,  hielt  sich  der  Socialist  thatsächlich  an
den  viel  roheren  Gedanken  einer  Naturrente.  Er  nahm  an,
dass  alles  das,  was  auf  die  Gunst  der  Natur  zu  verrechnen  sei,
eine  ungerechte  Einnahmequelle  ausmache  und  daher  gemeinsam
worden  müsse.  Hiebei  fasste  er  kurzweg  alle  Rente  als  ungerechtfertigten ­
  Monopolgewinn  von  Gnaden  der  Natur.  Der
Staat  könne  an  die  Stelle  des  Eigenthümers  treten  und  die
Rente  für  die  Gesammtheit  in  Anspruch  nehmen.  Uns  interessirt
  hier  jedoch  weit  weniger  die  vorübergehende  Phase  des
in  sich  selbst  haltungslosen  Proudhonschen  Denkens,  als  die
nebelhaft  unbestimmte  Gestalt,  welche  die  Rentenvorstellung
unter  den  Händen  eines  vorgeblichen  Dialektikers  annahm.
            
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