Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Ziehen  wir  nämlich  das  ein  Dutzend  Jahre  später  nach
den  „Oekonomischen  Widersprüchen”  erschienene  zweite  Hauptwerk ­
  zu  Rathe,  so  finden  wir  in  dieser  moralphilosophischen
Schrift  „Von  der  Gerechtigkeit  in  der  Revolution  etc.”  auch
die  ökonomische  Gerechtigkeit  mit  Rücksicht  auf  die  verschiedenen ­
  Einkünftequellen  behandelt.  Was  hiebei  von  der  Rente
gesagt  wird,  könnte  überraschen,  wenn  es  überhaupt  im  Bereich ­
  des  unbeständigen  dialektischen  Spiels  noch  Ueborraschungen
  geben  dürfte.  Die  Rente  wird  nämlich  ganz  ehrsam ­
  als  die  Differenz  zwischen  dem  Marktcrlös  und  den  Productionskosten
  genommen,  und  diese  Vorstellung,  welche  auch
jeden  beliebigen  Capitalgewinn  kennzeichnet,  und  dies  auch
dann  noch  thut,  wenn  man  den  blossen  Capitalzins  oder  Creditpreis
  als  Bestandtheil  der  Productionskosten  cinrcchnct,  —  diese
ganz  gewöhnliche  Idee,  in  welcher  von  der  Ursache  und  dem
Monopolcharakter  der  Ricardoschon  Rente  nichts  enthalten  ist,
erscheint  grade  da,  wo  sich  nach  der  Meinung  der  oberflächlichen ­
  Berichterstatter  Proudhon  in  eminenter  Weise  an  eine
vermeintliche  nationalökonomische  Wissenschaft  angelehnt  haben
soll.  In  Wahrheit  verstand  er  sich  nicht  einmal  auf  die  Irrthümer
  und  Fehlgrifib,  die  in  Frage  kommen  konnten,  und
bewegte  sich  daher  mit  dem  Anschein  von  gelehrten  Berufungen
so  ungenirt,  als  wenn  es  seit  den  Physiokraten  wissenschaftliche ­
  Versuche  über  Begriff  und  Ursache  der  Grundrente  gar
nicht  gegeben  hätte.  Ueberhaupt  würde  es  überflüssig  sein,
in  einem  Hirn,  welches  an  die  Möglichkeit  der  Ausmerzung
des  Zinses  im  gegenwärtigen  Gesellschaftszustande  dachte,
natürliche  und  zutrefiende  Vorstellungen  von  andern  Einkünftearten ­
  suchen  zu  wollen.
Um  jedoch  der  Schrift  über  die  Gerechtigkeit  nicht  selbst
Unrecht  zu  thun,  so  sei  bemerkt,  dass  sie  als  philosophirerisches
  Buch  und  als  moralische  Auslassung  einen  relativen
Werth  hat,  insofern  sie  in  einer  halb  geschichtsphilosophischen
Weise  mancherlei  Vorstellungen  in  Bewegung  setzt,  die  bei
vielen  Naturen  in  überlieferter  Trägheit  fortvegetiren.  Dieser
Vorzug  würde  ein  sehr  geringer  sein,  wenn  die  Philosophie  der
ersten  zwei  Drittel  des  19.  Jahrhunderts  nicht  viel  verworrener
wäre,  als  diejenige  der  zweiten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts.
In  der  schlechteren  Nachbarschaft,  also  relativ  und  nicht  absolut ­
  gewürdigt,  mögen  daher  die  Proudhonschen  Auslassungen
            
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