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ihnen in Verbindung mit den wirthschaftliclien Reflexionen stets
eine theoretisch politische Ueberlieferung mächtig gewesen ist.
Man braucht nur an Macchiavelli zu erinnern, und man wird,
ohne diesem noch heute nicht hinreichend gewürdigten Mann
etwa durch Einreihung in die Geschichte der Ockonomio eine
ganz unpassende und ihm selbst gar nicht entsprechende Schein
ehre scholastischer Art zu erweisen, begreiflich zu machen ver
mögen, dass die Italienischen Autoren nicht so leicht, wie die
jenigen anderer Völker, den Leitfaden der politischen Betrach
tungsweise verlioren konnten. Ausserdem hat der Gedanke an
die antike Vergangenheit und mitunter auch wohl der Hinblick
auf die Organisation der priestcrlichen Beherrschungsformen
das Gefühl für die Wichtigkeit der politischen Betrachtungsart
lebendig erhalten. Hiezu kam der Stachel, welcher in dom
Mangel eines Nationalstaats und in der Erprobung der wirth-
schaftlichen Wirkungen der Zersplitterung lag. Die Italienischen
Schriftsteller hatten daher keine Veranlassung, ihre wirthschaft-
lichen Erörterungen aus dem Zusammenhang der politischen
Ueherlegungcn zu lösen. In der That beweist ihre Thätigkeit
in allen Jahrhunderten der neuern Zeit bis auf die jüngsten
Erscheinungen hin, dass sie mit Vorliebe an dem festgehalten
haben, was die Oekonomio mit der Politik oder auch mit den
Sitten verbindet. So geneigt man aber auch sein möge, alle
Vorzüge dieser einheitlichen Behandlung der Oekonomie und
aller öffentlichen Angelegenheiten anzuerkennen, so kann doch
die tiefere Erkenntniss der Beziehungen zwischen Oekonomic,
Politik und Moral erst dadurch gewonnen werden, dass man
diese Gebiete zuvor wissenschaftlich trennt und erst hinterher
die Bindeglieder nachweist, welche die Grundsätze der einen
Sphäre mit denen der andern in Beziehung bringen. Die frag
liche Eigenschaftder bei den Italienern vorherrschenden Behand
lungsart volkswirthschaftlicher Gegenstände ist daher schliess
lieh als ein Zeichen der mangelnden Entwicklung nothwendiger
Zergliederungen und Trennungen zu betrachten, und selbst
die relativen Vortheilo, die mit dieser Verhaltungsart vcrhundcu
waren, sind als Wirkungen dieses Mangels, nicht aber als Con-
sequenzen eines höheren wissenschaftlichen Bewusstseins an
zusehen.
Geht man die bändereiche Custodische Sammlung der öko
nomischen Autoren der Italiener durch und sieht von den Er-