Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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oder minder gutlioisse und nachbilde. Indessen ist ibm in 
dieser Beziehung die erstaunliche Ungewandtheit seiner, auf dem 
fraglichen Gebiet in der That recht unwissenden Gegner zu 
Hülfe gekommen, so dass es ihm wirklich gelungen ist, die 
Aufmerksamkeit derselben von dieser Seite abzulenken und 
sein System von Productivassociationen, welche durch den 
Staat in Gang gebracht und mit Staatscredit unterhalten wer- 
den, als etwas gänzlich Neues und Eigenthümliches auszugeben. 
Uebrigens hatte aber in der Agitation des Augenblicks auch 
die Gegnerschaft kein sonderliches Interesse daran, die noch 
aminehitmiin^^thmhe Theorie mihn^ I^dnheit Ideht 
zu ziehen und die unverfälschten Gedanken eines Louis Blanc 
heraufzubeschwören. Die Unwissenheit ging also mit dem Inte 
resse Hand in Hand, und so wurde es Lassalle möglich, sein 
Schema von Productivassociationen als eine völlig neue Con 
ception und als das Universalmittel zur Behandlung des so 
cialen Problems darzustellen. Die in einem gewissen Sinne 
scharfe oder vielmehr zugespitzte Art und Weise, in welchei 
bekannte Wendungen der Theorie vor die Arbeiter oder deren 
Führer gebracht wurden, also gleichsam die besondere Gestalt 
der agitatorischen Formulirung, gehörte ihm unstreitig an, 
und in diesen, allerdings oft seltsamen, ja häufig pedantisch 
klaubenden Popularisirungsversuchen liegt, abgesehen von der 
Schöpfung einer socialistischen Parteiorganisation, sein Haupt 
verdienst. Aus diesem Grunde kommen für uns auch eigentlich 
nur seine kleineren Pamphlets aus der Zeit von 1863 m Be 
tracht, während schon das Büchelchen gegen Herrn Schulze, 
welches die socialökonomische Hauptschrift sein sollte, wegen 
seiner überwuchernden Scholastik und auch um seiner unästhe 
tischen, völlig ins Ordinäre gerathenden Polemik willen als ein 
Rückschritt angesehen werden muss. Wer nichts weiter von 
Lassalle als diese Schrift kennte, würde, falls er noch einiges 
Urtheil iSer theoretische Formgebung und über die Psycho 
logie der polemischen Leidenschaften übrig hat, unfehlbai zu 
der Vorstellung genöthigt werden, dass der Autor eines solchen 
ungeheuerlichen Gemisches von allgemeiner Theorie und klein 
lichstem Quark des Augenblicks nicht wirkliche Popularisirungs- 
zwecke verfolgte. Dennoch sieht man aus den früheren kleine 
ren Flugschriften, dass Lassalle bisweilen mit einem gewissen 
Maass von Ernst die Idee ergriffen habe, den Massen wirklich
	        
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