Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Krebsaugen 
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Kreide 
silvestris) entstanden. Der Anbau der K. ge 
schieht in Deutschland besonders in Thüringen 
und im Harz, ferner in Ungarn und Amerika. 
Die für den offizinellen Gebrauch bestimmten 
Blätter werden vor der Blüte gesammelt und 
getrocknet in den Handel gebracht. Sie dienen 
zur Herstellung von Aufgüssen, die innerlich als 
erwärmendes magenstärkendes Mittel, äußerlich 
zu Bädern und Umschlägen Verwendung finden. 
Außerdem bereitet man aus ihnen ein destil 
liertes K.-Wasser (lat. Aqua menthae crispae, 
frz. Eaü de menthe cröpue, engl. Curled mint 
water), den Krauseminzgeist, und ein ätheri 
sches Öl, welches der riechende und schmeckende 
Bestandteil der Pflanze ist. Das Krauseminzöl 
(lat. Oleum menthae crispae, frz. Essence de 
menthe cröpue, engl. Oil of spearmint) wird 
durch Destillation .mit Wasser abgetrieben. Es 
hat eine .gelbliche oder grünliche Farbe und 
dünnflüssige Konsistenz, .wird aber mit der Zeit 
bräunlich und dick. Geruch und Geschmack des 
Öls sind schwächer als bei dem Pfefferminzöl 
und auch .von diesem verschieden, aber lieblich. 
Das rektifizierte Krauseminzöl hat bei 15 0 C ein 
spez. Gew. von 0,92p—0,940 und enthält neben 
Terpenen (Limonen und Pinen) erhebliche Men 
gen linksdrehendes Karvon. Es wird zu Parfü 
merien und Likören sowie medizinisch benutzt. 
Krebsaugen {Krebssteine, lat. Lapis cancro- 
rum, frz. Oeil d’öcrevisse, engl. Crabs eye) nennt 
man die steinigen, weißen oder gelblichen Kör 
perchen, die sich zwischen den Magenhäuten 
des Flußkrebses bilden und bei der Häutung 
ausgeworfen werden. Sie sind linsengroß oder 
größer, auf einer Seite konvex, auf der anderen 
konkav wie ein Näpfchen und bestehen aus 
kohlensaurem und phosphorsaurem Kalk nebst 
Gallerte, die beim Auflösen der Sternchen in 
Salzsäure zurückbleibt und die ursprüngliche 
Form beibehält. Man bezieht sie aus Südruß 
land und Galizien und führt sie in Apotheken 
und Drogenhandlungen als Volksmittel, um Staub 
oder andere Körner, die in die Augen geraten 
sind, aus diesen zu entfernen. 
Krebsbutter, ein gelblichrotes Fett, wird in 
Delikatessenhandlungen in l /i- Vs und V4'D° sen 
verkauft und als Zusatz zu Suppen und Speisen 
verwandt. Zur Bereitung von K. werden grob 
zerstoßene rote Krebsschalen kurze Zeit mit 
Butter gelinde gekocht, wobei letztere Farbe, 
Geruch und Geschmack der Krebsschalen an 
nimmt. Früher häufiger beobachtete Verfäl 
schungen aus Margarine und Teerfarben sind 
durch die Nahrungsmittelkontrolle aus dem Han 
del verdrängt worden. 
Krebse (Flußkrebse, frz. Ecrevisses, engl, 
Grabs) sind nicht nur ein Gegenstand des ört 
lichen, Handels, sondern werden oft weithin ver 
sandt; gerade die besten und größten bei uns 
v °rkommenden K., die Spreekrebse, gehen in 
Menge nach Frankreich. Die Schonzeit der K., 
deren wissenschaftlicher Name Astacus flu- 
v i a t il i s ist, reicht in den meisten deutschen 
Ländern vom 1. November bis 31. Mai des näch 
sten Jahres. Während dieser Zeit dürfen sie 
weder gefangen noch feilgeboten werden. Mit 
Eiern versehene weibliche K. dürfen auch außer 
halb dieser Zeit nicht verkauft werden, sondern 
müssen, wenn sie gefangen wurden, sofort wieder 
ins Wasser gesetzt werden. Durch eine in vielen 
Gegenden Deutschlands seit einigen Jahren plötz 
lich aufgetauchte Krankheit, die Krebspest, haben 
viele Krebszüchter großen Schaden erlitten. Ein 
gemachte Krebsschwänze sind ein Artikel des 
Delikatessenhandels. Die Verwendung von Bor 
säure zu ihrer Konservierung ist in letzter Zeit 
mehrfach beanstandet worden und sollte unter 
allen Umständen gekennzeichnet werden. Über 
Seekrebse s. Hummer. 
Krefeider Sprudel besitzt nach der Analyse 
von R. Fresenius und Plintz vom Jahre 1896 
folgende Zusammensetzung für 1000 Gewichts 
teile : 0,0023 g Kalziumbikarbonat, 0,4527 g Mag 
nesiumbikarbonat, 0,0113 g Ferrobikarbonat, 
o,ooot g Manganbikarbonat, 0,0954 g Chlorkalium, 
6,8492 g Chlornatrium, 0,0049 g Chlorli.hium, 
0,0125 g Chlorammonium, 0,0075 g Chlorbarium, 
0,0061 g Chlorstrontium, 0,2859 S Chlorkalzium, 
0,0069 g Bromnatrium, 0,0003 g Jodnatrium, 
0,0003 g Natriumphosphat, 0,0127 g Natriumborat, 
0,0029 g Natriumnitrat, 0,0099 g Kieselsäure und 
0,0148 g freie Kohlensäure. 
Kreide (lat. Creta, frz. Craie, engl. Chalk) be 
steht in chemischer Hinsicht aus einem durch 
Ton und Kieselsäure mehr oder weniger ver 
unreinigten kohlensauren Kalk, CaCOs, und 
ähnelt insofern einem weichen erdigen Kalkstein, 
von dem sie sich aber dadurch unterscheidet, 
daß sie als Ablagerung alter Meere aus ' den 
Kalkgehäusen mikroskopischer Weichtiere (Poly- 
thalamien, Foraminiferen) und den Kiesel 
panzern von Infusorien und Algen zusammen 
gesetzt wird. Sie bildet oft mächtige Lager und 
ganze Plöhenzüge, und vor allem die Küsten 
Englands, Dänemarks und Norddeutschlands 
(Insel Rügen) bestehen zum großen Teil aus 
diesem Mineral. Auch Frankreich hat große 
Lager in der Champagne, bei Rouen, Paris sowie 
an der Nordküste. Für den deutschen Bedarf 
dient besonders die über Stettin kommende K. 
von Rügen, die teils in Stücken, wie sie bricht, 
teils pulverförmig im geschlämmten Zustande 
(Schlämmkreide) in den Handel gelangt. Als 
Schreibkreide werden meist aus Schlämmkreide 
geformte zylindrische oder vierkantige Stifte, 
gewöhnlich mit papiernem Überzüge, benutzt. 
Der Verbrauch von K., besonders geschlämmter, 
ist sehr bedeutend und mannigfaltig. Man ver 
wendet sie für sich allein, wie im Gemisch mit 
anderen Farbstoffen zu Anstrichen, und zwar 
meist als Leimfarbe; ferner dient sie als sog. 
Leim- oder Kreidegrund zur Unterlage von Ver 
goldungen und Lackfarbenanstrichen, zu Kitten, 
Kreidepapier, als Grundmasse zu Schüttgelb usw. 
Auch in der chemischen Großindustrie wird K. 
gebraucht, besonders bei der Glasbereitung, in 
den Färbereien und zur Entwicklung von Kohlen 
säure. Feine, mehrmals geschlämmte K. dient 
zum Putzen von Silbergeschirr. — Bologneser 
K. ist eine sehr leichte und feine Masse, die 
in Stücken von der Form und Größe von Back 
steinen versandt wird, ähnlich die Champagner- 
K. — Außerdem führen im Handel noch einige 
andere, nicht aus kohlensaurem Kalk bestehende 
Minerale den Namen K. Die zur Entfernung von 
Flecken dienende sog. spanische (veneziani 
sche, Briangoner) K. ist eine Art Speckstein 
(s. d.), gelbe und rote K. nennt man zuweilen
	        
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