Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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keiten der Existenz bilden in Marios Anscbauungskreis den Aus 
gangspunkt, und es wird von ihm ausgesprochen, dass alle fer 
neren Fortschritte der Cultur im laufenden Jahrhundert bereits 
in erster Linie und entscheidender Weise von denjenigen der 
Wirthschaft abhilngen. Uebrigens betrachtet unser Autor auch 
jede politische Partei- und Standesposition als etwas, was nur 
durch Rechte von materiell wirthschaftlicher Bedeutung lebens 
fähig erhalten und zu dem werde, was es vorstellt. In der 
Geschichtsauffassung prägt sich diese Idee nach allen Rich 
tungen aus. Ist nun auch hiebei das Vorbild Französischer 
Socialisten vielfach maassgebend gewesen, so muss man doch 
einräumen, dass die Anwendungen des betreffenden Gedankens 
in keinem Deutschen Werk in gleichem Grade und mit glei 
cher geschichtlicher Positivität aufgetreten waren. Die Kritik 
der Liberalistik und ihrer socialen Geschichtsansichten ist in 
vielen Richtungen zutreffend; aber freilich ruht sie auch zu 
gleich auf einem Grunde, welcher es unserm Socialisten un 
möglich macht, den Standpunkt des natürlichen Fortschritts 
einzunehmen. Obwohl er das monopolistische Princip und mit 
ihm die Ausschliessungen aller Art als ungerecht bekämpft, so 
geräth er doch seltsamerweise auf dem Wege seiner Kritik der 
materiellen Liberalistik zu einer Stellungnahme, in welcher 
er die Gewerbefreiheit als eine zu überwindende Phase an 
sieht und auf Gebilde ausblickt, die zwar nicht in einer fal 
schen Romantik die Zünfte wiederbeleben und ausschliessend 
sein, aber dennoch ähnlich geregelte Gruppirungsformen wer 
den sollen. 
12. Der Ausdruck „societäre Geschäftsform” bleibt bei Mario 
ein Wort, über dessen Begriff kein irgend genügender Auf 
schluss ertheilt wird. Nur soviel sei bemerkt, dass auch die 
Landwirthschaft in diese undefinirbare gesellschaftliche Betriebs 
form hineingezogen werden soll. Wüsste man nicht, dass der 
Verfasser jener weiterstrebenden Minderheit angehörte, welche 
nach 1848 im Bereich der sich gegen die Gewerbefreiheit keh 
renden Handwerkerregungen ein socialistisches Ziel ins Auge 
fasste, so würde man keinen einzigen Anhaltspunkt haben, um 
den Sinn der vorgeschlagenen Grundgestalt der ökonomischen 
Existenzgarantirung näher zu bestimmen. Auf S. 186 der 
ersten Abtheilung giebt er uns jedoch selbst die Petitions 
schriftstücke jener rückläufigen Bewegung und identificirt sich
	        
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