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darein ergeben, dass sich die Bundesgenossen selbst bekriegten, '
Wenn hienach schon jeder Nationalkrieg an sich selbst ver-
urtheilt wurde, so musste dies noch mehr der Fall sein, insofern
er sich als dynastische Action oder als Classenunternehmung
einzelner Stände ansehen Hess. Die Eindrücke, welche der
Krieg von 1870 hinterliess, haben nun zwar zunächst dem
Internationalismus, namentlich in Deutschland, entgegengewirkt,
scheinen aber schliesslich einer umgekehrten Anschauungsweise
nur noch mehr Vorschub zu leisten. Nirgend haben sich in
Deutschland die anscheinenden Errungenschaften des Krieges
den Erwartungen gemäss bewährt. Die Chancen des Friedens
sind nicht vermehrt, sondern vermindert, indem der Deutsche
Besitz von Eisass und Lothringen eine neue, stets offene Frage
der auswärtigen Politik geschaffen hat, die nicht gleich der
Orientalischen, sondern bedenklicher als diese, die Ruhe im
Herzen von Europa ganz preeär macht und jeden Augenblick
zu neuen Conjuncturen und Bündnissen sowie zu den zugehörigen
militairischen Actionen führen kann. Die Aufstachelung des
Racen- und Nationalgefühls nach Maassgabe alter Ueberliefe-
rungen unter gelegentlicher Auffrischung abgestorbener Reli
gionsgegensätze, der letzteren namentlich für Deutschland und
Frankreich, sowie die principielle Hinwegsetzung über die
früheren Humanitätslehren hat auch hier die Scheidung in
zwei grosse Lager nahegelegt, deren eines unter der Fahne
des specifischen und ausschliesslichen Nationalismus alle rück
läufigen oder noch rückständigen Elemente vereinigt, während
das andere sich bewusst ist, in der Austilgung der feindlichen
Gesinnungen durch die gemeinsamen Interessen des Proleta
riats aller Länder eine wirkliche Aera des Friedens vorzu
bereiten. Man darf nun nicht überrascht sein, dass dieser
letztere Standpunkt mit einer oft höchst einseitigen Anschau
ungsweise die nationalen Consolidationen im Ganzen unge-
würdigt lässt, weil sie sich zum Theil durch Mittel vollzogen
haben, die dem alten Regime entsprachen. In der richtig
verstandenen Internationalität kann auch die Nationalität erst
zu voller Freiheit und Gemeinschaft gelangen. Es ist daher
in dem praktischen Verhalten der Internationalen ein Fehler,
wenn sie, wie z. B. bei ihrer Bekämpfung der Deutschen Forma
tionen, nicht zugleich die natürliche Nothwendigkeit der Ver
schmelzungen von dem besondern politischen Gepräge unter-