Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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der urwüchsigen Volkskraft über die Westeuropäischen Doc 
trinen hinwegschreiten will und welcher mit seiner Verherr 
lichung eines den alten Russischen Aufständen entsprossenen 
Räuberthums lebhaft an Schillers wilde aber dafür auch volks- 
kräftigo Phantasien erinnert, — diese, auf beiden Seiten ver 
unglückte Alliance sollte doch eine Lehre sein, dass sich die 
Emancipation der Arbeit nicht nach Art einer Alliance Israelite 
bewerkstelligen lässt. Auch die Staatsspielerei der Internatio 
nalen, die sich mit ihrer Nachahmung officieller Formen und 
ihren amtlichen Auslassungen bisweilen recht sonderbar aus 
nimmt und, ich will noch nicht einmal sagen gegen das Wesen 
der Demokratie, sondern schon gegen das der Natürlichkeit 
und Einfachheit verstösst, hat durch den Bakunin sehen Gegen 
satz eine grelle Beleuchtung erfahren. 
Bakunin verhält sich zu den Halbwissenschaften der Ueppig- 
keit nicht weniger verwerfend, als es ein Rousseau in seiner 
freilich ganz andern Art und mit gelegentlich noch schlimmeren 
Verirrungen der paradoxen Phantasie gethan hatte. Einen theo 
retischen Nihilismus in Rücksicht auf die eigentliche Wissen 
schaft kann man ihm aber nicht vorwerfen, da er die exacten 
Thoile anerkennt und der nachrevolutionären Zukunft die neuen 
Geistesschöpfungen anderer Richtung zuweist. Was aber seine 
Verneinung alles Staatswesens oder, mit andern Worten, die 
Herbeiführung der Herrschaftslosigkeit betrifft, so erinnern 
diese Gedanken einerseits an das Paradoxon der Proudhon- 
schen Anarchie oder Nichtherrschaft und schliessen andererseits 
bei aller verwerflichen W üstheit und W ildheit ihrer Russisch 
barbarischen Einkleidung zugleich einen verständlichen Sinn 
nicht aus. Die slavistische Zerstörungsleidenschaft sammt ihren 
principie!! verwerflichen Mitteln jeglicher Art von Gewalt und 
List ist im Rahmen der Russischen üeberlieferungen und 
gegenüber dem ähnlich gearteten Druck der Institutionen nur 
zu begreiflich. Bakunin will mit dem Staat als solchen auf 
räum en, weil er in ihm nichts als eine falsche unterdrückeri 
sche Form der Gesellschaft sieht. Er wendet sich mit seiner 
ganzen Leidenschaft gegen die alte Welt des Staats und ver 
steht diese alte Welt so, wie etwa ein Religionsgegner die 
Kirche auflasst und behandelt wissen will. Auch wer feiner 
unterscheidet, wird wenigstens den Gewaltstaat, d. h. den Staat, 
insofern er durch Vergewaltigung entstanden ist und fortbesteht.
	        
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