Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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künftiger Gestaltungen bilden. Der weltgescbichtliche Fort 
schritt pulsirt da, wo die grossen Menschonmassen zu engem Ver 
kehr vereinigt sind. Es ist reactionär, auf die Anhäufungen des 
Proletariats und auf das Riesenwachsthum der Gressstädte im 
Interesse einer vorläufig noch übel angebrachten und falschen 
Decentralisationsidee wirthschaftlicher oder politischer Art in der 
bekannten Manier zu schelten. Die Zeit der Ausgleichungen wird 
kommen; aber zunächst führt der Weg der omancipatorischen 
Politik durch die Verstärkung dos thatsächlichen Einfiusscs der 
Gressstädte auf die Geschicke der Länder. 
Die angedeuteto communalistische Politik ist ebenfalls ein 
Grund gewesen, den vorherrschend proletarisch socialistischen 
Charakter der Communekundgebung zu verkennen. Dies rührt 
aber daher, dass man dem bisherigen Socialismus gegenüber 
nicht daran gewöhnt ist, auf ein eigenthürnliches, von dem 
Gewaltstaat abweichendes System rein politischer Formen zu 
treffen. Dennoch ist die Ausbildung eines solchen Systems 
unumgänglich, und die herkömmliche Vorstellung, dass die 
Functionen des Staats blos socialistisch auszudohnen wären, 
muss unter Anwendung auf überlieferte Gewaltstaatsformen 
zu den wunderlichsten, zum Theil reactionären Ergebnissen 
und zu den auch an sich unhaltbarsten Folgerungen führen. 
An die Commune knüpft sich daher die Lehre, dass der 
politisch formale Theil des Socialismus noch stark im Rück 
stände ist. Alle Formen und Theile des öffentlichen Daseins 
sind an der socialitären Idee zu messen und in Um- oder 
Neubildungen in einem den Gesetzen der menschlichen Natur 
entsprechenden Entwurf sichtbar zu machen. Ohne eine be 
stimmte Vorstellung von den künftigen Formen des politischen 
Gemeinlebens kann es keinen nach allen Richtungen anwend 
baren Socialismus geben. 
Die handelnden Personen der Commune sind sich in einer 
wichtigen politischen Beziehung, nämlich in dem Charakter der 
Maassregeln, welcher der eisernen und drohenden Lage ent 
sprochen hätte, nicht hinreichend klar gewesen. Auch könnte 
man sogar einen Mangel an moralischem Muth zu energisch durch 
greifenden Verhaltungsarten finden wollen, wenn nicht einerseits 
die humanitäre Milde und andererseits die precäro nicht selbst 
geschaffene Lage die Erklärungsgründe der Unsicherheiten des
	        
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