Angelegenheit, die unter gewissen Verhältnissen nur im Grossen
und oft nur durch die Initiative oder wenigstens Mitwirkung
öffentlicher Organe betrieben werden kann. Wo nun hiezu die
geeigneten Voraussetzungen in irgend einer Gestalt cintro ten
da braucht zwar nicht der Colbcrtismus mit seinen bosondern,
zum Theil geschichtlich durch die despotischen Verhältnisse,
zum Theil aber auch durch den Stand des wirthschaftlichen
Wissens bestimmt und beschränkt gewesenen Mitteln maass
gebend zu werden; wohl aber wird das allgcmeinoro Princip,
welches er vertrat, in einer freieren Form ähnliche Ziele ver
folgen und bessere Ergebnisse liefern können.
8. Die Einseitigkeiten derjenigen neuern Theorien, welche
die Rolle der öffentlichen Organe in wirthschaftlichon Ange
legenheiten auf gar nichts zurückgoführt wissen wollen, haben
natürlich die Colbertschon Grundsätze sowie die Person selbst
nach Kräften angofeindet. Dies zeigt sich unter Andcrm auch
in neuern Specialschriften, z. B. bei Clement (in seiner Histoire
de la vio et do l’administration de Colbert, Paris 1846) und
sogar die erwähnten Joubloauschen Studien, deren bestes Ver
dienst nicht in ihnen selbst, sondern in den am Ende ihres
zweiten Bandes veröffentlichten Denkschriften und sonstigen
Actcnstückon bestand, bieten eine Mischung der Auffassung
dar, die nur im Hinblick auf den Französischen Standpunkt
und untergeordnete Umstände begreiflich ist. Das Bestreben,
einen bedeutenden Mann als Franzosen unter allen Umständen
und selbst im Widerspruch mit der völlig entgegenstehenden
und bis zur Caricatur ausartenden ökonomischen Anschauungs
weise gehörig zu loben, macht einen komischen Eindruck.
Dieser letztere muss sich noch steigern, wenn man die zwar
übrigens kaum erwähnenswerthe, aber doch hier recht charak
teristische Zufälligkeit erwägt, dass es das Geld der Französi
schen Akademie und die hinter diesem Golde stehenden Per
sönlichkeiten gewesen sind, welche als die eigentlichen Produ
centen jener vermeintlichen Rehabilitation Colberts betrachtet
werden müssen. Die unbefangene Würdigung in volleswirth-
schaftlicher Beziehung wird also der grossen Persönlichkeit wohl
erst später und zwar nur in dem Maas so zu Theil werden, in
welchem die neusten Wendungen der Nationalökonomie mit
dem rein negativen Standpunkt der Wirthschaftspolitik auf-
räumen. Man wird alsdann manches an Colberts Maassregeln