Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Lage  des  Arbeiterstandes  unhaltbar,  sondern  es  ist  die  Lohnabhängigkeit ­
  und  die  damit  verbundene  Demüthigung  und
Unsicherheit  an  sich  selbst,  was  auch  Angesichts  besserer  Löhne
das  ganze  Vorhältniss  auf  die  Dauer  als  ein  sittlich  unzulässiges
und  zu  beseitigendes  kenntlich  machen  müsste.  Die  wirthschaftlicho
  Unmündigkeit,  die  in  der  Unselbständigkeit  liegt,  wird  in
den  Krisen  sowie  in  den  sich  chronisch  fortschleppendcn
Existenzschwierigkeiten  besonders  sichtbar;  aber  sie  würde
auch  ohne  so  nachdrückliche  Wirkungen  eine  arge  Unvollkommenheit ­
  sein,  über  welche  die  Entwicklungsgeschichte  unter
allen  Umständen  hinausgelangen  müsste.  Die  peinlichen  Verschärfungen ­
  der  Lage  können  als  Aufrüttlung  aus  der  Trägheit
und  den  auferlegten,  fast  zur  zweiten  Natur  umgeschaffenen
Unterwürfigkeitsgewohnheiten  gelten.  Es  ist  aber  ein  Glück,
dass  im  Allgemeinen  stets  Gruppen  existiren,  deren  Lebensniveau ­
  steigt,  und  dass  nicht  die  begleitenden  Uebel,  sondern
nur  das  Bewusstsein  solcher  Uebel  an  Umfang  zunimmt.
Ebenso  ist  es  nicht  die  Aneignung  von  der  andern  Seite,
sondern  das,  was  der  Arbeiter  trotz  dieser  Aneignung  unter
den  Gesetzen  der  modernen  Volkswirthschaft  festzuhalten  vermag, ­
  wodurch  seine  Chancen  auf  Emancipation  steigen.  Nicht
eine  Ausräubung,  welche  einst  durch  einen  entgegengesetzten
Raub  auszugleichcn  wäre,  bahnt  etwa  pessimistisch  den  Weg
zu  bessern  Zuständen,  sondern  die  stetige  Lockerung  und  Untergrabung ­
  der  gegnerischen  Ausbeutungsmacht,  verbunden  mit
dem  Gewinn  von  Kraft  zu  eigner  Initiative,  liefert  das  sichere
und  nachhaltige  Mittel  der  Umschaffung  des  gesellschaftlichen
Verfassungszustandes.  Der  Pessimismus  ist  höchstens  der
Bourgeoisie  und  ihrem  Verfall  gegenüber  am  Platze;  soll  er  aber
durchaus  doppelseitig  sein  und  beide  Schichten,  also  neben  dem
Ueberbau  auch  die  breite  Grundlage  der  Gesellschaft  betreffen,
so  würde  die  Gewaltgesellschaft  nicht  in  eine  neue  bessere
Form,  sondern  zunächst  in  eine  blosse  Zerrüttung  durch  gegenseitige ­
  Olassenbrigandage  in  jenem  von  Rousseau  gefürchteten
Sinne  auslaiifen.
(5.  Die  Gewaltgesellschaft  hat  neben  der  militairischen
und  materiellen  auch  eine  geistliche  Stütze,  durch  welche
ihre  Einrichtungen  getragen  werden.  Dieser  letzteren  gegenüber ­
  ist  der  Pessimismus  am  Platze,  indem  er  mit  der
Zersetzung  und  dem  Verfall  der  das  menschliche  Gemttth  in
            
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