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4. Oie Religionssoziologie im Besonderen.
Die Religionssoziologie war bekanntlich eines der Haupt
arbeitsgebiete Mar Webers. Die Vorzüge seiner Schriften
darüber bestehen in einer ungewöhnlichen Mannigfaltigkeit des
geschichtlichen und gegenwärtigen Tatsachenstoffes. Für ihn
gilt aber, was leider auch für den größten Teil der modernen
Religionssoziologie überhaupt gilt: daß eine unrcligiöse Re
ligionssoziologie ihren Gegenstand nicht fassen kann. Wer
nicht nur die besondere Dogmatik einer Religion, sondern
Religiosität überhaupt verneint, der soll und kann nicht Reli
gionssoziologie treiben. Sollte Webers Lehre wirklich eine
„verstehende" Soziologie sein, so könnte sie dieses nur durch
Versenkung in das Innere der Religiosität, ihrer Formen
und Hilfsmittel sein. Gerade er aber sieht der Religiosität so
fremd gegenüber wie kaum ein anderer. Er sucht nicht das
Innere des Religiösen auf, sondern haftet absichtlich am Äußer
lichen (S. 227) und verfehlt dadurch das Bild der Wahr
heit. „Religiös oder magisch motiviertes Handeln", so lesen
wir gleich zu Beginn, „ist in seinem urwüchsigen Bestände
diesseitig ausgerichtet. ,Auf daß es dir wohlergehe
und daß du lange lebest auf Erden', sollen die religiös oder
magisch gebotenen Handlungen vollzogen werden*)." So Mar
Weber. Religiöses Handeln soll also darin bestehen — daß
es nicht religiös ist! Ob es schon jemanden gegeben hat, der
aus dem vierten Gebot die Religion begründete, und sie daraus
als „diesseitig ausgerichtet" bestimmte?
„Religiös oder magisch motiviertes Handeln", so fährt
Weber fort, „ist ferner gerade in seiner urwüchsigen Gestalt
ein mindestens relativ rationales Handeln ... Wie das Quirlen
den Funken aus dem Holz, so lockt die „magische" Mimik des
Kundigen den Regen aus dem Himmel . . . Das religiöse . . .
0 S. 227.
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