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(1er Stoffentziehung und des Verhungerns; der zu billige Preis
bringe aber"eine Art Indigestion oder staatliche Verdauungs
störung durch zu grossen Ueboriluss mit sich. Das Bild ist,
wie man sieht, in der Hauptsache treffend. Nur darf man nicht
übersehen, dass die für den Ackerbau entstehenden Calamitäten
auf der gesellschaftlichen Unmöglichkeit beruhen, die Production
hei zu niedrigen Preisen gehörig im Gange zu erhalten. Die
Schilderungen Boisgiiilleberts sind einschneidend. Er erinnert
an die Decirnirung der ländlichen Bevölkerung und beschreibt,
wie die durch zu billige Absatzpreise erzeugte Noth zuerst die
Kinder hinwegrafft, die den Entbehrungen und namentlich dom
Mangel an Fürsorge am ehesten erliegen. Die Stadien, in
denen er sich den Hergang der Vernichtung vollziehen lässt,
sind keine Erdichtung und haben eine allgemeinere Bedeutung.
Er kennt bereits cinigermaassen, was uns heute auf der Grund
lage der Statistik so klar vor Augen liegt, — den durch ökono
mische Gesammtursachon vermittelten Uobergatig vom Loben
zum Tode. Er spricht sich bei solchen Gelegenheiten sehr
bitter aus, und bisweilen greift die Gluth seiner Leidenschaft
zu den stärksten Ausdrücken. Die durch Erntoausfälle erzeugte
Noth wiegt in seinen Augen leicht, sobald er ihr das Elend im
Gefolge der ruinirend billigen Preise gogenüberstellt. Hiebei
muss man eingedenk bleiben, dass er es mit den durch Aus
fuhrverbote künstlich gedrückten Preisen und beschränkten
Absatzverhältnissen zu thun hatte. Im Hinblick auf solche
Zustände wurde er durch seine Idee zum Anwalt der Land-
wirthschaft, und noch heute, wo es sich nicht mehr um land-
wirthschaftliche Ausfuhrbeschränkungen handelt, haben dennoch
die Erörterungen über die Wirkungen der Preishöhe eine ent
scheidende Bedeutung. Alles was in der Wirthscliaftspolitik
indirect blos auf Niederhaltung der landwirthschaftlichen Preise
hinwirkt, ohne an einer entgegengesetzten Tendenz eine heil
same Schranke zu finden, muss schliesslich zum Ruin aller
Classen hintreiben. Diese Wahrheit liegt allen Erörterungen
und sogar den gewagtesten Paradoxien unseres Autors zu
Grunde. Allerdings erfasst er diesen Satz nicht in seiner heu
tigen Allgemeinheit; aber er weist doch im Einzelnen nach,
wie die Unfähigkeit der Ackerbauer, die Erzeugnisse der Ge
werbetreibenden in gehörigem Maass zu kaufen, auch die letz
teren in den Verfall hineinziehe. Die Darlegung dieser Be-