Ziehungen des Verkehrs ist das Bedeutendste, wozu Boißguilie-
bort in seinem volkswirthschaftlichen Denken jemals gelangt
ist. Die weiteren Gedanken, welche die gegenseitige Abhän
gigkeit der Wohlstandsvcrhältnisse der verschiedenen Stände
hetreflen, sind nur mannichfaltigo Einkleidungen oder moralische
Begründungsversuche jener Grnndvorstellung.
Die heute am meisten fortgeschrittene Gestalt der National-
ökonomio geht davon aus, dass in der geographischen Ver-
gleichung der Zustände die höheren Preise der Bodenerzeugnisse
ein Anzeichen des grösseren Wohlstandes sind. Sie verwiift
also das Princip, welches einseitig nur die Tendenz zur Drückung
jener Preise im Auge hat. Sic weiss, dass sich die Interessen
beider Theilo, d. h. der Verbraucher und der Erzeuger von
Nahrungsmitteln dann am besten befriedigen, wenn sie einander
im Gleichgewicht halten und hiedurch verhindern, dass nur das
eine von ihnen vornehmlich maassgebend werde. Aus dem
Widerstreit, aus der doppelseitigen Sclbsterhaltung und aus der
Wahrnehmung der Selbständigkeit und Freiheit in beiden
Lagern gehen erst diejenigen Thatsachen hervor, welche von
wirklich allgemeinem Nutzen sind. Nur diejenigen Preise,
welche einer derartigen beiderseitigen freien Entfaltung der un
mittelbar gegen einander gerichteten Interessen ihr Dasein ver
danken, werden auch dem höheren gemeinsamen Nutzen dienen.
Besteht aber auf einer der Seiten ein starkes Uebergewicht,
so wird dasselbe, gleichviel ob es sich auch in staatlichen oder
nichtstaatlichen Maassregeln und Verfahrungsarten geltend
mache, zu einer Gestaltung der Verhältnisse führen, die schliess
lich auch den begünstigten Theil in das Verderben des ge
schädigten hineinreisst. Hienach giebt es also für die gegen-
scitigen Austauschungen solche Preissätze, welche weder zu
niedrig noch zu hoch, sondern der grössten Summe von Vor-
t heilen, die für alle Betheiligten auf die Dauer erzielt werden
kann, am angemessensten sind. Von dieser Wahrheit hatte nun
Boisguillcbcrt im Hinblick auf den landwirthschaftlichen Absatz
einen ziemlich genügenden Begriff. ISur trübt sich bei ihm die
Verallgemeinerung dieser Idee durch die Hineinziehung eines
moralischen Gesichtspunkts, dessen Absicht zwar die höchste
Achtung verdient, der aber doch thatsächlich nur in einer
Gestalt erscheint, wie sic den edelsten Zielen der Menschheit
bis jetzt mehr geschadet als genützt hat. Die Ansicht Bois-