verhehlen; denn alles hängt davon ab, daß wir sowohl
über die uns zustehenden Ansprüche, als über die auferlegten
Pflichten, ganz mit uns im Klaren dabei sind. —
Denken sich vielleicht jene Fragenden, unter dem durch eine
freie Regierungöform zu erlangenden Segen, daß sie bei
weniger Anstrengung mehr genießen, oder nur sicherer, leichter,
wenn auch beschränkt, fortleben dürften? Diesen Segen
bringt eine freiere Regierung nicht. Denn die
größte Freiheit ist nur das weiteste Recht des möglichst großen
Schaffens, und die höchste Selbstständigkeit macht die höchsten
Ansprüche auf die selbstthätige Kraft. Und die wahre Würde,
wie das wahre Glück des Menschen, liegt im Schaffen, in
der Kraftäußerung. Aber darin liegt der Unsegen aller
Bevormundung, daß sie Furcht vor dem Lebenskampf, Neigung
zur Beschränktheit ernährt, und alles freie Erringen
gegen eine kümmerliche Sicherheit zu opfern bewegt; denn
sie läßt den Menschen nicht zur Erkenntniß seiner individuellen
Kraft kommen, noch den Stolz des allein errungenen
Sieges kosten, sondern fügt ihn in ihre Systeme ein,
wo das Individuum, jeder unabhängigen Wirksamkeit entzogen
und vom mechanischen Gange geleitet und gehalten,
zur Feigheit erzogen wird. Der Andrang nach Aemtern in
bureaukratischen Staaten beweist, wie weit dieser Einfluß
sich der Menschen bemächtigen kann. Dem Beamten stehen
keine solchen Aussichten auf Besitz und Genuß zu, als welche
sich dem unabhängigen Gewerbsmanne eröffnen; das Einkommen
eines hochstehenden Staatödieners übersteigt selten
das eines gewöhnlichen Kaufmannes; aber das Wenige,