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Zweiundzwanzigstes Buch.
erhebt dagegen meinen Wert, als einer Intelligenz, unendlich,
durch meine Persönlichkeit, in welcher das moralische Gesetz
mir ein von der Tierheit und selbst von der ganzen Sinnen—
welt unabhängiges Leben offenbart, wenigstens so viel sich aus
der zweckmäßigen Bestimmung meines Daseins durch dieses
Gesetz, welche nicht auf Bedingungen und Grenzen dieses
Lebens eingeschränkt ist, sondern ins Unendliche geht, ab—
nehmen läßt.“
Wie mußte nun der Philosoph, der aus so erhabener
Höhe die Wirkungen des kategorischen Imperativs auf Mensch
und Menschenleben zu verfolgen sich anschickte, wie mußte
er herabsehen auf die kleinlichen, dem sinnlichen Teile des
Menschen entgegenkommenden ethischen Systeme der Vorzeit!
In welchem Lichte mußten ihm, den nichts auf Himmel und
Erden gut dünkte, es sei denn ein guter Wille, vor allem
die begeisterungsloser Seichtigkeit entsprungenen Nützlichkeits—
theorien des rationalistischen, im Versinken begriffenen Zeit⸗
alters erscheinen!
. Zwar war er selbst von dieser Nützlichkeitslehre aus—
gegangen; noch in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts
hat er einen Versuch gemacht, allgemeingültige sittliche Gesetze
auf eudämonistischer Grundlage aufzufinden. Aber ihrer wahren
Anerkennung hatte doch von jeher der pietistische, der subjektiv⸗
religiösse Zug seines Herzens widersprochen, und bald war
dieser Tendenz der Einfluß der Gefühlsmoral der Engländer,
vor allem aber die Einwirkung Rousseaus zu Hilfe gekommen;
Rousseau war es, der bei Kant der Auffassung des Einzel—
menschen als einer auf sich gestellten moralischen Persönlichkeit
zum Durchbruch verhalf, der zugleich freilich auch einen gegen⸗
über der Sittlichkeit der Kultur pessimistischen Zug in Kants
Denken einführte.
Von dieser Linie der Entwicklung her ergab sich für Kant
in den achtziger Jahren sein eigenes Moralsystem des katego—
rischen Imperativs. Das gerade Widerspiel des Prinzips der
Q. d. pr. V. (Kehrbach) S. 193—194.