Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

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PREUSSEN  —  Sociale,  Gewerbe-  und  Handelsverhältnisse.

wo  Zunft-  und  Realrechtszwang  bestehen  (siehe  „Bayern.“)  Auch  ist
damit  noch  lange  nicht  die  Zahl  erreicht,  welche  wir  in  dem  gerade
durch  seine  Industrie  reich  gewordenen  England  finden.  Jedenfalls
würde  Preussen  weitaus  nicht  so  zugenommen  haben  an  Volksmenge,
es  würde  seine  politische  Stelle  weit  weniger  zu  behaupten  vermögen,
und  das  Land  würde  geradezu  ausser  Stande  sein,  seine  Bevölkerung
zu  ernähren,  ohne  das  Bestehen  einer  wenigstens  so  weit  gehenden
Gewerbsfreiheit.
Taglohn.  Der  geringste  Taglohn  der  Männer  dürfte  zu  G—7  Sgr.
(21—24  Krzr.,  75—85  Cent.),  jener  der  Frauen  zu  4  Sgr.  anzunehmen
sein.  Die  grössten  Abweichungen  bieten  Ostpreussen  mit  blos  4  Sgr.
und  der  Regierungsbezirk  Düsseldorf  mit  9  Sgr.  für  den  Mann,  dar.
(Vergleiche  Re  den’s  „Erwerbs-  und  Verkehrsstatistik  des  Königstaats
Preussen,“  Darmstadt  1854.)
Zur  Crimialstatistik.  Es  kam,  nach  den  neuesten  Justizberichten
(zufolge  einer  Mittheilung  auf  dem  Landtage  von  185G),  je  ein  Verbrechen ­
  :
in  Preussen  auf  1438  Einwohner.  in  Pommern  auf  2358  Einwohner.
-  Schlesien  -  1545  -  -  Sachsen  -  2413
-  Posen  -  1867  -  -  Westfalen  -  2570
-  Brandenburg  -  1972  -  -  derllbeinprov.  -  3166

Eisenbahnen.  Im  Jahre  1853  waren  447Yg  Meil.  im  Betriebe
und  83  Meil.  im  Baue.  An  Kosten  waren  lOSVg  Mill.  Thlr.  bereits
aufgewendet,  pr.  Meile  also  etwa  400,000  Thlr,  Ende  1854  standen
49OV4  Meil.  im  Betriebe,  und  gebaut  wurden  87  Meil,  —  1853  schon
wurden  fast  11  Mill.  Personen  und  109  V4  Mill.  Cntr.  Waaren  auf
den  Bahnen  befördert.  Die  letzten  ertrugen  anderthalbmal  so  viel  als
die  Personen.  Die  Roheinnahme  war  19’875,000  Thlr.,  die  Betriebskosten ­
  betrugen  10’068,000.  —  Der  Reinertrag  der  Eisenbahnen  wird
nach  Procenten  des  Arüagecapitals  so  berechnet  :

1844  1845  1846  1847  1848  1849  1850  1851  1852
4%  4%  6  4%  8%  3%  4%  5%

Seitdem  ist  der  Ertrag  sehr  gestiegen.  1854  war  die  Roheinnahme
23T78,000  Thlr.;  1855  belief  sich  dieselbe  um  Millionen  höher.
Post.  Die  Zahl  der  beförderten  Briefe,  1843  erst  39  Milk,  stieg
(grossentheils  Folge  der  Preisermässigung)  1851  auf  G8,  1854  auf
90,  1855  auf  98'/$  Mill.
Telegraphen.  Länge  610,7  Meil.  Beförderte  Depeschen  im  Jahre
1855:  152,820,  mit  408,328  Thlr.  Ertrag.
Rhederei.  Zu  Ende  1855  betrug  die  Kauffahrteiflotte  897  Seeschiffe ­
  mit  139,205  Last  und  etwa  8250  Matrosen.  —  Der  ilafenverkehr
  war,  ungerechnet  die  blos  mit  Ballast  fahrenden  Schiffe,  folgender;

1853:
1854:
1855  :

Eingelaufen
preussisebe  Schiffe  fremde  Schiffe

2044  Scb.  von  185,019  Last.  2264  Sch.  von  158,635  Last.
2182  -  -  211,648  -  2612  -  -  203,155  -
2316  .  .  244,160  -  8118  -  -  267,501  -
            
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