Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

DEUTSCHLAND  —  Grossherzogthum  Hessen.  179

dien  Aufwand.  Ein  Beschluss  der  Abgeordnetenkammer  v,  25.  April
1855  genehmigte  ausserordentlicher  Weise:
I.  In  Bezug  auf  die  Kriegsbereitschaft:
a.  für  Anschaffungen  tí.  400,000
b.  -  Truppenuntei’halt  vom  Febr.  bis  Juli  1855  .  •  240,000
II.  In  Bezug  auf  Mobilmachung,  bloss  eventuell  .  •  •  1’000,000
Im  April  1855  erging  au  den  Landtag  das  Ansinnen,  1*100,000
fl.  Schulden  der  Ci  vil  liste  zu  ttbernehmen,  wogegen  für  eine
weitere  Million  Grimdrcntcnscheine  (Papiergeld)  ausgegeben  und  durch
allmählige  Abzüge  an  der  Civilliste  gedeckt  werden  sollten.  Zuvor
hatte  die  Regierung  die  Ermächtigung  zu  einem  neuen  Anlehen  von
2*300,000  fl.  gefordert,  wodurch  gedeckt  werden  sollten:
a.  die  Kosten  einer  eventuellen  Mobilmachung  .  1’740,000  fl.
b.  Ueberschreitungen  des  bisherigen  Etats  .  .  364,000
c.  Kosten  einer  Schiffbrücke  bei  Worms  .  .  140,000
d.  „  der  Negocirung  dieses  Anlehens  .  .  56,000
Mitte  1855  erklärte  die  Regierung,  von  der  Mobilmachung  vorerst ­
  absehen  zu  können.  Darauf  gingen  die  Kammern  auf  die  erwähnte ­
  Schuld-Uebernahmc,  vorbehaltlich  der  allmähligen  Abzüge  an
der  Civilliste,  ein,  und  genehmigten:

1)  Aufnahme  eines  Anlehens  von  900,000  fl.,
2)  Ausgabe  von  weiteren  1’500,000  fl.  Papiergeld.
Behufs  Zinsdeckung  ward  eine  Steucrerhölumg  von  1  Pf.  auf  den
Normalgulden  eingeführt.
Schuld.  Dieselbe  dürfte  dermalen  folgenden  Bestand  haben  :

a.  allgemeine  Schuld  über  .  17’100,000  fl.  1825  14  258,570  fl.
b.  Eisenbahnschuld  über  .  11’800,000  -  1828  12  926,553  -
c.  Papiergeld  («Grundrentenscheine“)  4’000,000  -  1840  11’502,207  -
Zus.  gegen  33’000,000  -  14  649,011  -
Alles  ohne  Abzug  der  Activen.  Seit  1820  wurden  viele  Domänengüter ­
  verkauft.
Militär*  Conscription.  Dienstzeit  6  Jahre,  wovon  2  in  der
Reserve.  .  Der  Staat  selbst  unterhält  eine  Militärvertretungsanstalt.  —
Trupp  en  bestand  vor  der  letzten  Vermehrung  :
Gardeunterofficierscomp.  48,  Quartiermeisterstab  u.  Pioniere  126  .  .  174
Garde-Chevauxlegers-Regiment  ........  1,446
Artillerie  (1  Comp,  reit.,  2  Comp.  Fuss-,  1  C.  Train,  mit  18  Kan.)  .  853
Infanterie  4  lieg,  zu  2  Bataill.  ........  8,041
Zus.  10,514

Festung.  Mainz,  ist  aber  Bundesfestung,  mit  österreich.-preuss.
Besatzung,  im  Kriege  verstärkt  durch  Truppen  der  Reservedivision  ;
blos  1  Bataillon  Hessen  garnisonirt  zu  Mainz.
Geschichtliche  Notizen.  Vor  der  Zeit  der  franz.  Revolution  betrug  der

Truppenstand  etwa  4000  M.  ;  eben  so  viel  mussten  zum  Rheinbunde
gestellt  werden.  Nach  dem  Reussischen  Feldzuge  ward  das  hessische ­
  Truppencorps  neu  organisirt.  Nach  der  Leipziger  Schlacht  erfolgten ­
  grosse  Anstrengungen  gegen  Napoleon.  —  Bis  1808  war
der  Etatsstand  9350  M.

Sociales*  Im  Gewerbswesen  rechts  des  Rheins  modificirte
            
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