Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

SOCIALSTATISTIK.  —  Ijebenszâliîgkeit,  der  Juden.

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Darnach  erklärt  es  sich  von  selbst,  aus  welchem  Grunde  speciell
die  Colonisation  Algeriens  —  ungeachtet  der  enormsten  Anstrengungen ­
  der  Franz.  Regierung  während  eines  Vierteljahrhnnderts,  —
noch  gar  nicht  geglückt  ist.  Können  auch  die  Deamten,  die  Kanflente,
  die  Wir  the  und  seihst  Handwerker  wenigstens  ohne  allzu  erschreckende ­
  Sterblichkeit  in  jenem  Lande  leben,  so  ist  dies  dagegen
durchaus  nicht  der  Fall  bei  den  Landleuten,  den  wirklichen  Colonisten,
die  der  Sonne  und  überhaupt  dem  Clima  unmittelbar  sich  anssetzen
müssen.  (Beispiele  in  der  Abhandlung  des  Verfassers  „über  Colonisirnng
  Algeriens,“  in  den  Verhandlungen  der  Schweiz,  gemeinnützigen
Gesellschaft  vorn  Jahre  1854.)
Auch  die  Kinder  der  Fremden  sterben  in  solchen  Ländern,  —
sogar  die  in  denselben  geborenen,  —  und  zwar  in  noch  weit  furchtbarerer ­
  Menge  als  die  erwachsenen  Eingewanderten  selbst.  Es  zeigt
sich  dies  in  Algerien,  in  Aegypten,  auf  den  Antillen  und  in  Ostindien. ­
  Der  französische  Militärarzt  Vital,  der  16  Jahre  in  Algerien
znbrachte,  fand,  dass  die  von  Europäischen  Eltern  2u  Constantine  geborenen ­
  Kinder  alsbald  „unerbittlich“  hingeraflft  werden;  von  den
(dem  Lande  gleichfalls  fremden  aber)  hier  geborenen  Negern,  erreichen
unter  100  durchschnittlich  blos  zwei  das  Jünglings-oder  Jungfraueiralter
  (s.  Gazette  médicale^  v.  6.  November  1852.)  In  Aegypten  waltet ­
  dasselbe  traurige  Verbaltniss.  Mehemed  Ali  hatte  90  Kinder,  nur
5  derselben  konnten  erhalten  werden.  Dieser  furchtbaren  Erscheinung
misst  man  es  bei,  dass  das  Nilland,  ungeachtet  dasselbe  so  oft  Eroberern ­
  unterlag,  heute  noch  im  Wesentlichen  von  demselben  Menschenstamme ­
  bewohnt  ist,  wie  zu  den  ältesten  Zeiten  (s.  Schölcher’s
L'Egypte  en  1845.)  —  „Kinder  von  Europäern,  in  den  enrop.  Niederlassungen ­
  an  der  Westküste  von  Afrika  geboren,  erreichen  selten,^
bleiben  sie  an  dem  Orte  ihrer  Geburt,  das  zehnte  Lebensjahr.“  —
Auf  den  Antillen  finden  wir  dieselbe  Erscheinung  (s.  Dr.  Clemens,
a.  a.  0.)  Den  Einwanderern  in  Algerien  etc.  ist  also  in  der  Regel
gerade  auch  die  Möglichkeit  abgeschnitten,  wenigstens  ihren  Kindern
eine  glückliche  Zukunft  in  solchen  Ländern  zu  bereiten.  —  Ein  dem
mitteleuropäischen  wenigstens  ähnliches  Klima  ist  es,  was  die  Auswanderung ­
  nach  den  nördlichen  und  westlichen  der  Vereinigten  Staaten ­
  vor  jedem  andern  Colonisationslande  empfiehlt,  obwohl  auch  dort
die  Sterblichkeit  unter  den  Eingewauderton  noch  immer  unzweifelhaft
grösser  ist,  als  in  der  lleiraath.
Zähigkeit  des  jüdischen  Stammes.  Wir  kennen  einen  Menschenstamm, ­
  der  bei  weitem  mehr  als  jeder  andere  in  allen  Ländern  und
Climaten  gedeiht:  cs  ist  der  Jüdische.  Derselbe  scheint  gleichsam
ein  „Monopol  des  Cosmopolitismns“  zu  besitzen  (nach  brieflichen  Ausdrücken ­
  unseres  Freundes  Dr.  Boudin.)  Unter  den  furchtbarsten,
barbarischsten  Verfolgungen,  erhielten  sich  die  Juden  allenthalben,  wo
anders  nicht  zu  ihrer  völligen  Vertreibung  oder  Ausrottung  ge-Climaten

  absolut  verderblich  bleibt,  —  die  unvermeidliche  Consequenz  seiner
eigenen,  im  Uebrigen  so  lichtvollen  Aufstellung.
            
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