Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

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SOCIALSTATISTIK  —  Uebcrvölkerung.

nützliche  Aenderungeii  bewirken  will.“  Eine  umfassende  Erörterung
über  diese  Entwicklung  des  berülunteu  belgischen  Statistikers  würde
hier  zu  weit  führen.
lieber  cdhustarke  Memchenverme/mmg  und  Ueberv'ölkerung.  Der
geistvolle  englische  Nationalökonom  Mal  thus  nahm  an:  die  Volksvermehrung ­
  steige  in  geometrischer,  die  Vermehrung  der  Lebensmittel ­
  nur  in  arithmetischer  Progression;  darnach  müsse  Uebervölkerung
  und  Elend  entstehen.
])er  Satz,  ganz  besonders  der  erste  Theil  desselben,  scheint  so
einfach  und  natürlich,  dass  alle  bloscn  Theoretiker  davon  getäuscht
wurden,  besonders  als  nach  den  grossen  Kriegen  die  Natur  in  gewaltiger ­
  Weise  eine  Ersetzung  der  entstandenen  Verluste  erstrebte.
Die  Erfahrung  zeigte  aber,  dass  die  grössere  Zahl  von  Lobenden
eben  auch  im  Verhältnisse  zu  ihrem  Bed  arfe,  und  zwar  selbst
auf  dem  nämlichen  Raume,  mehr  producirt.  Vor  40  Jahren  zählte
Deutschland  mindestens  V4  Menschen  weniger  als  jetzt,  und  doch
kommt  nun  auf  Jeden  durchschnittlich  ein  grösseres  Lebensmittelquantum, ­
  als  damals,  und  wiederholte  Missjahre  brachten  uns  nicht  mehr
die  gleiche  Grösse  der  Noth,  wie  1817,  was  freilich  eiiiigermaassen,
—  allein  doch  nur  zu  einem  viel  kleineren  Theile  als  man  glaubt,  —
mit  durch  die  Erleichterung  in  der  Communication  verhindert  wird.
Man  sieht  sich  vielfach  zu  dem  Satze  geführt:  in  einem  grössern
Lande  leben  in  der  Regel  so  viel  Menschen,  als  sich  hier  ernähren ­
  können.  Allein  cs  wäre  damit  noch  nicht  ausgeschlossen,  dass
das  Leben  der  Masse  immer  elender,  ihr  Bedarf  auf  das  jämmerlichste ­
  Minimum  herabgedrückt  würde.  Die  Erfahrung  beweist,
dass  diese  Befürchtung  nicht  gegründet  ist.
Es  leben  nicht  mehr  Menschen  in  einem  Lande,  als  nach  den
Anforderungen  des  Cult  u  r  -  und  Bildungsgrades  des  Volkes  (in
seiner  Totalität  aufgefasst)  daselbst  geeignet  leben  können,  —  allerdings ­
  in  der  Regel  mit  einiger  Neigung,  diese  Grenzlinie  zu  überschreiten. ­

Da  sich  aber  die  Anforderungen  steigern,  welche  nach  der
allgemeinen  Anschauungsweise,  (nach  dem  Volksbewusstse  in,)
bezüglich  des  Umfanges  der  „Lebensbedürfnisse“  gemacht  werden, ­
  —  und  da  bei  weiter  vorangeschrittencr  Bildung  und  mehr  entwickeltem ­
  Bewusstsein  gar  Manches  als  Bedürfniss  erscheint,  was  in
den  frühem  rohem  Jahrhunderten  dafür  nicht  angesehen  ward,  —  so
finden  wir  —  in  Uebereinstimmung  mit  dem  Voranschreiten  der
Menschheit  im  Ganzen  —namentlich  die  Lage  der  ärmsten  Classen  unter
den  mitteleuropäischen  Völkern  bereits  unendlich  verbessert  gegen  vormals, ­
  —  was  Behandlung  im  Allgemeinen,  was  Nahrung,  Kleidung
und  Wohnung,  auch  was  Schule  und  was  manche  kleine  Annehmlichkeiten ­
  des  Lebens  betrifft.  Damit  soll  jedoch  keineswegs  gesagt
werden,  dass  das  Endziel  erreicht  sei.  Es  bleibt  vielmehr  für  Verbesserung ­
  der  Volkszustäiide  noch  unendlich  viel  nachzuholen,  was
vordem,  und  theilweise  heute  noch,  in  der  unverantwortlichsten  Weise
            
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