Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

58  FRANKREICH  —  Sociale,  Gewerbe-  und  Handeleverbältnisee.
das  Feld  vorzubereiten.  —  Wir  reden  hier  nicht  weiter  von  der,  namentlich ­
  unter  der  Regierung  Ludwig  Philipps  vielfach  sogar  offenkundig ­
  gewordenen  Corruption  von  Beamten  (sowohl  aus  der  Classe
der  schlecht  besoldeten  niedern,  als  auch  der  übermässig  besoldeten
höheren,)  —  die  Erinnerung  an  die  Namen  Testo-Cubiores  möge  genügen.
Nächst  der  Bureaucratie  erweist  sich  der  übermässige  Einfluss
des  CI  er  US  als  ein  Unheil:  —  dieses  Clerus,  der  namentlich  die
Volksbildung  hemmt,  statt  sie  zu  fördern.  Es  scheint  uns  beachtenswerth,
  dass  in  der  so  sehr  ausführlichen  neuen  Statistique  de  la  France
keine  Notizen  über  den  Stand  des  Volksschulwesens  gegeben  sind.
Thatsache  ist  es,  dass  noch  eine  ganze  Menge  von  Gemeinden  sich
völlig  ohne  Schulanstalten  befindet,
Endlicli  ist  hier  der  drückenden  Grösse  der  öffentlichen  Lasten
zu  gedenken,  sowohl  der  hohen  directen  Steuern,  als  der  gehässigen,
und  zu  den  mannichfachsten  Betrügereien  führenden  indirecten  Auflagen, ­
  Zwar  ist  die  Summe  der  öffentlichen  Ausgaben  in  Grossbritanien
  verhältnissmässig  noch  bedeutend  grösser,  als  in  Frankreich  ;
allein  in  Wirklichkeit  gestaltet  sich  das  Verhältniss  dennoch  entgegengesetzt, ­
  zumal  aus  zwei  Gründen:  1)  weil  in  England  der  Geldwerth  an
sich  ein  geringerer  ist,  und  2)  weil  in  Frankreich  zu  den  Geldabgaben
noch  die  enorme  Last  der  Conscription  kommt,  in  Folge  welcher  der
junge  Mann  nicht  etwa  blos  wider  seinen  Willen  zum  Militärdienste
gezwungen  wird,  sondern  überdies  auch  in  diesem  gezwungenen  Dienste
nicht  einmal  denjenigen  Geldlohn  erhält,  den  er  sich  durch  freie  Arbeit
erwerben  würde.  Während  in  England,  bei  dem  Werbsysteme,  der
Lohn  des  Soldaten  naturgemäss  durch  freie  Uebereinkunft  beider  Theile
sich  bestimmt  (der  Staat  muss  so  und  so  viel  bezahlen,  sonst  lässt  sich
die  gewünschte  Mannschaftszahl  nicht  anwerben),  setzt  in  Frankreich
(und  allerdings  gerade  so  in  den  meisten  andern  Ländern  des  Continents) ­
  der  Staat  einseitig  einen  Sold  fest,  der  für  jeden  einzelnen
Mann  alljährlich  mindestens  um  200  Fr.  geringer  ist,  als  der  freie
Verdienst  desselben  sein  würde.  (Siehe  Willi.  Schulz-Bodmers
„Militärpolitik“.  Der  verstorbene  franz.  Abgeordnete  Desjobert  berechnete ­
  den  Verlust  jedes  Soldaten  in  dieser  Beziehung,  während  der
7jährigen  Dienstzeit,  sogar  auf  2000  Frkn.)
Taglohn.  Der  'l'aglohn  dürfte  in  Frankreich  durchschnittlich  zu
1  Ya  Fr.  anzunehmen  sein.  Für  männliche  Landarbeiter  berechnete
de  Gerando  denselben  im  Jahre  1839  auf  70  Cent,  bis  1  Fr.  70  Cent,,
für  Frauen  auf  30—GO,  für  Kinder  von  11—15  Jahren  auf  20  Cent.
—  In  Folge  der  seitdem  ansehnlich  gestiegenen  Lcbensmittelpreise  und
der  Vermehrung  der  Auflagen  sind  die  Beträge  im  Ganzen  nicht  unbedeutend ­
  gestiegen.
Der  Lohn  der  Arbeiter  (Ouvriers)  zu  Paris  schwankt  zwischen
75  Cent,  und  20  Franken.  Die  Mehrzahl  erhält  zwischen  3Va  und
5  Ir.  (Siehe  den  Bericht  Horace  Say’s  auf  dem  statist.  Congresse  zu
Brüssel,  Sept.  1853,  —  Comte  rendu  des  travaux  du  Conr/res  général
de  Statistique,  p.  79.)
            
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