Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

RUSSLAND  —  Militärwesen  (Landmacht,  Festungen).  79
Bestimmt  ward  :  Die  Bewaffnung  besteht  in  Gewehr  mit  Bajonnet  oder
Büchse,  nebst  Beil.  Die  Miliz  wird  in  regelmässige  Brigaden  und
Divisionen  formirt.  Sie  wählt  ihre  Offiziere  selbst  (die  Kosaken  wählen ­
  dieselben  ohnehin  zum  Theil).  Das  Bataillon  besteht  aus  1037
Combattanten,  52  Nichtcombattautcn  und  19  Offizieren.  Die  Kleidung
ist  die  nationale.  Die  Offiziere  erhalten  Epauletten  nach  ihrem  Bange.
—-  Der  Bildung  einzelner  (z.  B.  Schützen-)  Corps  gedenken  wir  nicht
näher.  —  Im  Ganzen  wurden  innerhalb  20  Monaten  folgende  ReCflltenäUShebungCn
  angeordnet:  durch  Ukas  vom
10.  Febr.  1854,  9  M.  von  1000  in  den  westlichen  Provinzen,
9.  Mai  -  9  östlichen
7.  Sept.  -  10  westlichen
13,  Dez.  -  10  -  -  -  -  östlichen
10.  Febr.  1855,  13  -  -  -  -  18  Gouvernements.  —  Reichswehr.
31.  Mai  -  1
12.  Aug.  -  >  13  ebenso  in  den  übrigen  Gouvernements.
7.  Oct.  -  ;
6.  Mai  -  12  M.  von  1000  in  den  westlichen  Provinzen,
15.  Got.  10-  -  in  sämmtl.  Gouvernements,  blos  7  ausgenommen.
In  Folge  der  Hartnäckigkeit  des  Kampfes,  noch  weit  mehr  aber
der  máselos  schlechten  Versorgung  der  Soldaten,  waren  die  Menschenvcrlusto
  ungeheuer.  Nach  einer  (angeblich  amtlichen)  Zusammenstellung ­
  soll  die  russische  Armee  schon  bis  zu  Ende  des  Jahres  1854
111,132  M.  eingebüsst  haben,  wovon:  29,204  Todte,  55,304  Verwundete, ­
  6,460  Vermisste,  16,156  an  Krankheiten  Gestorbene.  (Die
letzte  Zahl  ist  gewiss  weitaus  zu  gering.  Wahrscheinlich  sind  nur
die  Soldaten  in  den,  dem  Kampfplatz  unmittelbar  angrenzenden  Lazarethen
  berücksichtigt.)  Als  ausgeschlossen  wurden  ohnehin  bezeichnet
die  Verluste  der  kaukas.  Armee  und  jene  der  irregulären  Truppen,
der  Kosaken  etc.  —  Als  Beispiel,  in  welchem  Maasse  die  Verpflegung
eine  schlechte  ist,  wird  ii.  A.  angeführt:  Von  400  Recruten,  welche
aus  der  Gegend  von  Saenodien  nach  dem  Dniepr  gesendet  wurden,
kamen  blos  78  in  Kiew  an.  Von  einer  Reiterabtheilung  der  Garde
starben  in  der  Nähe  von  Zawichorst  (?)  in  ein  Paar  Monaten  %  der
Pferde  (und  von  den  Mensehen  ?).  In  Nicolajeff  und  anderwärts  zündete
man  Magazine  an,  um  die  Entdeckung  zu  verhüten,  dass  unter  das
Mehl  in  den  Tonnen  Gyps  gemischt  war.  (Zu  vergl.  Seite  81  die  Notizen
über  die  Verluste  der  russ.  Armee  im  J.  1812.)
Sogleich  nach  dem  Abschlüsse  dos  Friedens  verfügte  man  die
liutlassung  von  337  Druschinen  (Bataillonen)  Miliz,  und  von  6  Kosakonregimeutern
  der  tartar,  Reiterei,  welche  man  anfangs  1856  im
Gouvernement  Kasan  ausgehoben.  Diese  Entlassungen  schätzte  man
auf  350  000  M.  Andere  reiheten  sich  an.  Sie  würden  noch  ausgedehnter ­
  sein,  wenn  man  die  einmal  Ausgehobenen  in  ihre  früheren
Gemeinde-  und  Leibeigenschaftsverhältnisse  zurück  versetzen  könnte.  —
Es  dürften  übrigens  jetzt  kaum  mehr  400,000  M.  wirklich  unter  den
Waffen  stehen,  wovon  V4  ™  Kaukasus.
Festungen.  Ausser  den  festen  Seeplätzen,  namentlich  Kronstadt,
Helsingfors,  Sweaborg  etc.  (Sebastopol  ist  zerstört),  —  sind  nur  die
            
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