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RUSSLAND — Militärwesen (Landmacht, Stärke des Heeres).
die östliche und die westliche, abgetheilt, in denen die Aushebungen
wechseln. Als Peter I. die erste derartige Aushebung anordnete,
setzte er dieselbe zu 1 Recrut auf 1000 Einw. fest. Noch in dem
ersten Viertel des jetzigen Jahrhunderts waren 2 M. auf 1000 die
gewöhnliche Zahl. Seitdem hat man das Verhältniss enorm gesteigert;
während des letzten Krieges in rasch wiederholten Verfügungen in der
Regel jedesmal bis zu 10, einmal bis zu 12, nebenbei noch hinsichtlich
der Reichsmiliz bis zu 13 von 1000. Besonders stark werden
die Juden in Anspruch genommen; kaum minder stark die Polen,
deren Land man an Waffenfähigen zu erschöpfen sucht. Im ganzen
Reiche herrscht Schrecken, wenn die Recrutirung beginnt, die vielfach
nichts Anders, als ein unerwartetes nächtliches Ueberfallen aller jungen
Männer ist (die Branka.) Mit der Recrutirung ist eine Geldabgabe
verbunden von ungefähr 33 Rub. Pap. für jeden Ausgehobenen. Die
Dienstzeit ist bei der Garde auf 22, bei den übrigen Truppen auf
25 Jahre bestimmt. Doch wird während des Friedens die Mannschaft
aus den östlichen Provinzen nach 15-, die aus den westlichen nach
lOjähriger Dienstzeit beurlaubt imd als Reserve in den Regimentslisten
aufgeführt. Die Verpflegung der Truppen ist jammervoll schlecht, besonders
wegen wahrhaft zahlloser Betrügereien, die nach allen Richtungen
geübt werden. — Das Avancement der Gemeinen erscheint zwar
dom Namen nach nicht ausgeschlossen, findet aber factisch nur äusserst
selten, in der Regel gar nicht statt. — Da der Leibeigene bei seinem
Eintritt in die Armee aus seinem Communalverbande herausgerissen
wird, so ist er nun, wie man es nennt, „frei.“ Aus dieser sogen.
Freiheit erwächst ihm aber nur Unheil, wenn er (bei der enormen
Sterblichkeit im russischen Heere) etwa die Zeit des Kriegsdienstes
überlebt; weil er dann, eben ausgeschlossen aus seiner frühem Gemeinde-Genossenschaft,
alt, entkräftet und der Arbeit entwöhnt, es desto
schwerer finden muss, sich selbst zu ernähren. — Bei den Finnen
und den Grusiern finden, nach deren Privilegien, blos Werbungen
(ausserdem nöthigenfalls aber auch Milizpflichtigkeit) statt. — 1842
dienten 71,900 Kantonisten im russ. Heere.
Stärke des Heeres. Dieselbe ist sehr bedeutend, wie sich nach
der grossen Volksmenge nicht anders erwarten lässt; allein die Anzahl
der Truppen kommt dossen ungeachtet in Wirklichkeit niemals auch
nur annähernd der in den Listen aufgeführten gleich. — Das reguläre
Heer zerfällt in die grosse Operationsarmee und in die Abtheilungen
für besondere Zwecke im Innern; zu den letzten rechnet man
die Kaukasusarmee. — Wir geben zunächst die vor dem letzten
Kriege am allgemeinsten angenommene Zusammenstellung, welche den
Bestand des Heeres auf dem Papiere, aber nicht in Wirklichkeit zeigt.
Die grosse, die Activ- oder die Operationsarmee, umfasst:
Infanterie:
Regim. Bataill. Mann
12 37 45,608
12 37 41,970
72 294 330,588
Garde
Grenadiercorps
6 Infanterie-Corps .
Zusammen
96 368 418,166