Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

77

RUSSLAND  —  Militärwesen  (Landmacht,  Stärke  des  Heeres).
die  östliche  und  die  westliche,  abgetheilt,  in  denen  die  Aushebungen
wechseln.  Als  Peter  I.  die  erste  derartige  Aushebung  anordnete,
setzte  er  dieselbe  zu  1  Recrut  auf  1000  Einw.  fest.  Noch  in  dem
ersten  Viertel  des  jetzigen  Jahrhunderts  waren  2  M.  auf  1000  die
gewöhnliche  Zahl.  Seitdem  hat  man  das  Verhältniss  enorm  gesteigert;
während  des  letzten  Krieges  in  rasch  wiederholten  Verfügungen  in  der
Regel  jedesmal  bis  zu  10,  einmal  bis  zu  12,  nebenbei  noch  hinsichtlich ­
  der  Reichsmiliz  bis  zu  13  von  1000.  Besonders  stark  werden
die  Juden  in  Anspruch  genommen;  kaum  minder  stark  die  Polen,
deren  Land  man  an  Waffenfähigen  zu  erschöpfen  sucht.  Im  ganzen
Reiche  herrscht  Schrecken,  wenn  die  Recrutirung  beginnt,  die  vielfach
nichts  Anders,  als  ein  unerwartetes  nächtliches  Ueberfallen  aller  jungen
Männer  ist  (die  Branka.)  Mit  der  Recrutirung  ist  eine  Geldabgabe
verbunden  von  ungefähr  33  Rub.  Pap.  für  jeden  Ausgehobenen.  Die
Dienstzeit  ist  bei  der  Garde  auf  22,  bei  den  übrigen  Truppen  auf
25  Jahre  bestimmt.  Doch  wird  während  des  Friedens  die  Mannschaft
aus  den  östlichen  Provinzen  nach  15-,  die  aus  den  westlichen  nach
lOjähriger  Dienstzeit  beurlaubt  imd  als  Reserve  in  den  Regimentslisten
aufgeführt.  Die  Verpflegung  der  Truppen  ist  jammervoll  schlecht,  besonders ­
  wegen  wahrhaft  zahlloser  Betrügereien,  die  nach  allen  Richtungen ­
  geübt  werden.  —  Das  Avancement  der  Gemeinen  erscheint  zwar
dom  Namen  nach  nicht  ausgeschlossen,  findet  aber  factisch  nur  äusserst
selten,  in  der  Regel  gar  nicht  statt.  —  Da  der  Leibeigene  bei  seinem
Eintritt  in  die  Armee  aus  seinem  Communalverbande  herausgerissen
wird,  so  ist  er  nun,  wie  man  es  nennt,  „frei.“  Aus  dieser  sogen.
Freiheit  erwächst  ihm  aber  nur  Unheil,  wenn  er  (bei  der  enormen
Sterblichkeit  im  russischen  Heere)  etwa  die  Zeit  des  Kriegsdienstes
überlebt;  weil  er  dann,  eben  ausgeschlossen  aus  seiner  frühem  Gemeinde-Genossenschaft, ­
  alt,  entkräftet  und  der  Arbeit  entwöhnt,  es  desto
schwerer  finden  muss,  sich  selbst  zu  ernähren.  —  Bei  den  Finnen
und  den  Grusiern  finden,  nach  deren  Privilegien,  blos  Werbungen
(ausserdem  nöthigenfalls  aber  auch  Milizpflichtigkeit)  statt.  —  1842
dienten  71,900  Kantonisten  im  russ.  Heere.
Stärke  des  Heeres.  Dieselbe  ist  sehr  bedeutend,  wie  sich  nach
der  grossen  Volksmenge  nicht  anders  erwarten  lässt;  allein  die  Anzahl
der  Truppen  kommt  dossen  ungeachtet  in  Wirklichkeit  niemals  auch
nur  annähernd  der  in  den  Listen  aufgeführten  gleich.  —  Das  reguläre ­
  Heer  zerfällt  in  die  grosse  Operationsarmee  und  in  die  Abtheilungen
  für  besondere  Zwecke  im  Innern;  zu  den  letzten  rechnet  man
die  Kaukasusarmee.  —  Wir  geben  zunächst  die  vor  dem  letzten
Kriege  am  allgemeinsten  angenommene  Zusammenstellung,  welche  den
Bestand  des  Heeres  auf  dem  Papiere,  aber  nicht  in  Wirklichkeit  zeigt.
Die  grosse,  die  Activ-  oder  die  Operationsarmee,  umfasst:

Infanterie:

Regim.  Bataill.  Mann
12  37  45,608
12  37  41,970
72  294  330,588

Garde
Grenadiercorps
6  Infanterie-Corps  .

Zusammen

96  368  418,166
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.