Full text : Die sociale Lage der Handlungsgehülfen und ihre Verbesserung durch die kaufmännischen Vereine

einzelne  Bureaus  in  täglicher  Fühlung  mit  einer  verwaltenden  Centrale
stehen,  ohne  daß  die  ersteren  deshalb  ihre  Selbständigkeit  zn  verlieren
brauchen.  Auch  der  Kommandant  jeder  Garnison  ist  im  hohen  Grade
selbständig  gestellt,  und  doch  steht  die  ganze  deutsche  Militärmacht  unter
eiuer  centralen  Leitung,  welche  im  Bedarsssalle  den  einen  Truppenteil  dahin, ­
  den  anderen  dorthin  zu  werfen  vermag.  Man  kann  sich  sogar  denken,
daß  später  die  Vakanzen  und  Stellengesuche  aus  allen  Gegenden  täglich  auf
telegraphischem  Wege  der  Centrale  mitgeteilt  und  von  dieser,  wie  in  einem
Clearinghouse,  ausgeglichen  werden.  Diese  Centrale  dürste  auch  die  für
das  Ausland  geeigneten  Kräfte  am  raschesten  herausfinden.  Sollte  diese
wichtige  Angelegenheit  nicht  dieselben  Depeschenspesen  wert  sein,  welche  heute
für  Börsenzwecke  in  noch  höherem  Maße  verausgabt  werden?  Die
Wochen-  und  Jahresberichte  jener  Centrale  würden  jedesmal  ein
äußerst  wertvolles  Bild  des  kaufmännischen  Arbeitsmarktes  liefern  und  auf
diese  Weise  die  an  erster  Stelle  von  uns  verlangten  Erhebungen  über  die
Gehülfenlage  fortlaufend  ergänzen.
In  diesem  Zusammenhang  müssen  auch  die  vielfach  vor  Ostern  üblich
gewordenen  Warnungen  vor  Zuzug  erwähnt  werden.  Da  fast  alle
Berufe  bei  ihrer  ebenmäßigen  Überfüllung  solche  Warnungen  erlassen,
wirken  dieselben  fast  gar  nicht  mehr.  Der  Unbemittelte  muß  sich  eben
doch  eine  Stelle  suchen,  die  ihm  möglichst  wenig  Spesen  verursacht.  Wenn
hier  überhaupt  etwas  wirken  kann,  sv  sind  es  die  oben  als  zunächst  notwendig ­
  bezeichneten  thatsächlichen  Feststellungen  der  kaufmännischen  Verhältnisse ­
  und  deren  geforderte  Massenverbreitung.  Nackte  Thatsachen  und
Ziffern  machen  einen  tieferen  Eindruck  als  die  beredtesten  Aufrufe.  Aus
die  Forderung  gewisser  Prüfungen  und  Qualifikationsnachweise  aber,  von
denen  man  sich  eine  eindämmende  Wirkung  verspricht,  ist  weiter  unter  zurückzukommen.
  Hier  nur  soviel,  daß  es  niemand  dein  bloßen  Aspiranten
ans  das  Kaufmannsfach  ansehen  kann,  ob  er  sich  für  den  Beruf  eignet.
Das  entscheidet  erst  die  Praxis,  in  der  mancher  angeblich  Ungeeignete  sich
zum  geschicktesten  Kaufmann  entwickelt.  Bloße  Volks-  und  Mittelschnlzeugnisse
  sind  aus  naheliegenden  Gründen  wenig  maßgebend.
Es  läßt  sich  aber  noch  weiteres  thun,  um  schon  unter  den  heutigen
Verhältnissen,  ohne  direkte  Besserstellung  der  Lehrlinge  und  Gehülfen  im
einzelnen  Geschäft,  auf  welche  zuletzt  einzugehen  ist,  die  schlimmsten  Nachteile ­
  der  jetzigen  Lage  zu  mildern  und  zu  beseitigen.  Hierher  gehört  alles
dasjenige,  was  man  unter  dem  Begriff  der  Versicherung,  V  er  s  o  r  g  u  n  g
und  geregelten  Unterstützung  zusammenzufassen  pflegt.  Auch  hier
sind  ja  bereits  recht  erfreuliche  Anfänge  vorhanden  und  es  handelt  sich  hauptsächlich ­
  darum,  System  in  das  Ganze  zu  bringen,  so  daß  möglichst  alle
Handlungsgehülfen  gegen  alle  Fälle  der  äußersten  Not  geschützt  werden.
Sogenannte  „freie"  Kassen  aller  Art  bestehen  ja  schon  vielfach  für  Handlungsgehülfen, ­
  Krankenkassen  und  Altersversorgungs-  (Pensions-)  Kassen.  Die  freie
Initiative  ist  dann  später  ergänzt  worden  durch  staatliche  Kasseneinrichtungen,
die  von  dem  richtigen  Gedanken  ausgingen,  daß  für  die  große,  untere  Schicht
der  Hülfsarbeiter  aller  Art  die  freien  Kassen  mit  ihrem  größeren  Risiko
nicht  so  billig  und  allseitig  zu  sein  vermöchten,  wie  solche,  denen  das  Gebot
            
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