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letzung der Rechte der Eingeborenen, ihre Ausbeutung und ihre
Versklavung zu verhindern und haben sie mit allen zu Gebote
stehenden Mitteln an ihrer Erziehung zur Unabhängigkeit zu
arbeiten.“
Die Verhältnisse haben sich in den seit Stuttgart verflosse-
nen zwei Jahrzehnten derartig geändert, daß wir mit diesem
grundsätzlichen Bekenntnis nicht mehr auskommen werden.
Und die Streitfragen, die in Stuttgart noch eine Rolle spielten,
werden in den Brüsseler Debatten kaum noch auftauchen. Es ist
heute eine Selbstverständlichkeit,: daß das Ziel: Abschaffung
der Kolonien, in dem Sinne des diesjährigen Maiaufrufs der
Internationale: „Für das Selbstbestimmungsrecht der Kolonial-
völker!“ durchaus vereinbar ist mit den Forderungen auf weitest-
gehende Reformen, solange die Kolonien noch bestehen. In
dieser Frage können wir es genau so wenig ablehnen, die gegen-
wärtige Lage der unterdrückten Völker nach Möglichkeit zu
heben, wie in irgendeiner anderen Frage der sozialistischen Po-
titik. Das bedeutet keineswegs Anerkennung der Kolonien als
zu Recht bestehend, genau so wenig wie wir den kapitalistischen
Staat damit als zu Recht bestehend anerkennen, daß wir für
weitgehendste Reformen innerhalb dieser Gesellschaft kämpfen.
Grundsätzlich werden wir uns auch den Standpunkt von Stutt-
gart zu eigen machen, daß jede Kolonialpolitik, die heute mög-
lich ist, eine kapitalistische und daher jede Kolonialpolitik ab-
zulehnen ist. Das Ziel einer „sozialistischen Kolonialpolitik“,
das manche Vertreter in Stuttgart aufstellen wollten, ist heute
ein Nonsens. Ganz mit Recht sagt Kautsky: „Eine Kolonial-
politik, die Hand in Hand geht mit der Erziehung und Bildung
der Eingeborenen, wäre möglich gewesen in demokratischen
Arbeitskolonien, wie sie das 17. und 18. Jahrhundert sah. Seit
dem 19. Jahrhundert gehört diese Art der Kolonialpolitik un-
widerruflich der Vergangenheit an.‘ Und ebenso war die Forde-
rung einer „sozialistischen Kolonialpolitik“ noch möglich im
Jahre 1907. Nach den Erfahrungen des Weltkriegs und der
rapiden kapitalistischen Entwicklung der letzten 2o Jahre gehört
auch sie unwiderruflich der Vergangenheit an.
Sie wird vielmehr das Ziel der Unabhängigkeitund
endgültigen Befreiung aller Kolonialvölker
in den Mittelpunkt ihrer. Forderungen zu stellen haben.
Sie kann aber nicht nur Politik auf weite Sicht machen, son-
dern muß Gegenwartsaufgaben stellen, die nur durch die brüder-
liche Zusammenarbeit sämtlicher sozialistischer Parteien erfüll-
bar sind. Die Zeit, revolutionäre Forderungen zu stellen und
an den guten Willen zu appellieren, sind endgültig vorbei. Es
gilt, ein bestimmtes, festumrissenes Gegenwartsprogramm auf-
zustellen und danach zu handeln. Je größer der Einfluß der
1.