Full text: Die sociale Lage der Handlungsgehülfen und ihre Verbesserung durch die kaufmännischen Vereine

stehen. Für die kaufmännische Verbandsabteilung müßten iu Bälde be 
sondere Kassenmittel flüssig gemacht werden, um die Agitation (im guten 
Sinne) für Vereinigung aller Kräfte mit aller Macht zu führen. Vielleicht 
würde dann sehr bald ein periodisch erscheinendes Organ für die Abteilung 
notwendig werden, das sich nur mit Standesfrageu zu beschäftigen hätte. 
Es wäre denkbar, daß eines der bereits jetzt bestehenden kaufmännischen 
Blätter zu diesem Organ gemacht würde, und die Notwendigkeit eines 
ständigen Abteilungsbureaus bliebe gewiß nicht aus. Dieses Bureau 
würde daun die Seele der ganzen Bewegung und Organisation, und der 
Verband kaufmännischer Vereine, dem dann gewiß die jetzt noch vielfach 
Sonderbündelei treibenden oder ganz gleichgültigen Gehülfen zuströmten, 
wäre eine öffentliche Macht, die keinen Anschluß an den Handelstag oder 
eine ähnliche Körperschaft brauchte, sondern sich allein genug wäre. Die 
maßgebenden Kreise könnten dann schwerlich mehr an dieser gewaltigen 
Organisation vorübergehen. 
Aber auch ehe die Bewegung solche Fortschritte gemacht hat, ver 
mögen die jetzigen kaufmännischen Vereine sich an der Förderung sämt 
licher, im zweiten Abschnitt skizzierten Mittel zur Verbesserung der Lage 
der Handlungsgehülfen zu beteiligen. Sie können zunächst daraus hinwirken, 
daß eine umfassende staatliche Enquäte über die Lage der kaufmännischen 
Gehülfen veranstaltet wird, bei der sie iu ausgedehntem Maße mitwirken. 
Die oben an zweiter Stelle angeregte, allmähliche Centralisierung der 
kaufmännischen Stellenvermittlung kann selbstverständlich nur durch das 
immer engere Zusammenschließen der kaufmännischen Vereine herbeigeführt 
werden, und die neugegründete Verbandsabteilung erscheint auch hier wieder 
als die geborene Verwalterin der dann notwendigen Centrale. Auch die 
freien Kranken- und Pensivnskassen der Vereine vermögen sich dann zu 
nähern, gegenseitige Verpflichtungen zu übernehmen und sich durch Zu 
sammenschluß zu stärken. Die oben angedeutete Regelung des Unter 
stützungswesens für stellenlose Handlungsgehülfen würde sich nach dem 
Muster des deutschen Buchdruckerverbandes gestalten und könnte wohl am 
besten von den verbündeten freien Kassen übernommen imb durchgeführt 
werden. Eine Reform des gesamten Krankenkassengesetzes, sowie der staatlichen 
Alters- und Jnvalidenversorgung im Sinne der Handlungsgehülfen, die 
bis jetzt hierüber noch gar nicht gefragt wurden, hätte die Verbands 
abteilung zu diskutiren und nötigenfalls anzuregen. Wichtige Schritte 
zur Vorbereitung der gesetzlichen Sonntagsruhe, des Maximalarbeitstages 
für Lehrlinge und der obligatorischen Fortbildungskurse fielen derselben 
Verbandsabteilung zu. Wenn sie nach den ersten Jahren nur allein 
mit dem Ergebnis der öfter erwähnten Erhebungen in einer wohl 
ausgearbeiteten Petition vor den Gesetzgeber träte, so würde sie bereits 
jenen bestiminenden Eindruck hervorrufen, den die Regierung bei der 
jetzigen Zersplitterung der Kräfte eben einfach gar nicht bekommen konnte. 
Inzwischen haben die Einzelvereine die Möglichkeit und Thunlichkeit einer 
besseren Sonntagsruhe, eines Maximalarbeitstages und obligatorischer 
Fortbildungskurse für das kaufmännische Gewerbe bezüglich dessen Lehr 
linge fort und fort im Hinblick auf das Maß und die Ausdehnung dieser
	        
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